Farina Kerekes arbeitet seit 12 Jahren im Supermarkt, der Job ist schlecht bezahlt. Seit der Corona-Krise gilt sie als "systemrelevant". An der Bezahlung hat das aber nichts geändert. Ihr reichts. Sie ruft zum Handelsaufstand auf.

Farina Kerekes ist gelernte Einzelhandelskauffrau, 30, und arbeitet seit 12 Jahren in ihrem Beruf. Seit der Corona-Krise ist dieser zum ersten Mal als "systemrelevant" eingestuft worden. In den Jahren davor? Schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen – daran hat sich noch nichts geändert. Sie und ihre Kolleginnen sind sauer und machen sich in einer Petition Luft. Sie fordern:

  • Schutzkleidung
  • Gefahrenzulage
  • Lohnerhöhung
  • Tarifbindung
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Farina erzählt uns im Gespräch, wie ihr Arbeitsalltag seit Wochen aussieht:

  • im Schnitt 11 Stunden Arbeitszeit
  • danach k.o. aufs Sofa fallen

Ihre Arbeit in einem Supermarkt im Ruhrpott ist kräftezehrend: Ware auspacken, Regale auffüllen, an der Kasse sitzen.

"Aus den Regalen habe ich super viele benutzte Tempos geholt, weil die Leute anscheinend denken, das ist in Ordnung, sie einfach ins Regal zu werfen. Das ist richtig eklig."
Farina Kerekes arbeitet im Supermarkt

Die Belastung ist auf Dauer extrem, sagt sie. Sechs Tage die Woche elf Stunden Arbeit, da bleibt keine Zeit für andere Dinge. Sie ist froh, dass ihr Mann sich um den Haushalt kümmert und für beide das Essen zubereitet, weil sie das nicht mehr schafft.

Stressiger Job, stressige Kunden

Belastend sind auch die Menschen im Supermarkt, die sich teilweise gegenseitig anschreien. Dabei geht es gar nicht nur darum, dass die Leute Hamstereinkäufe machen. Eine neue Entwicklung sei, dass die Menschen jetzt mit Schutzmasken in den Laden kommen, deshalb aber nicht mehr den Mindestabstand einhalten, weil sie glauben, das sei mit Maske nicht notwendig, erzählt sie.

"Heute war es wieder so anstrengend, so viele Kunden, die schlimm drauf waren, die sich untereinander und
mich anschreien, herumdiskutieren, sich unsolidarisch verhalten. Das ist nicht schön."
Farina Kerekes arbeitet im Supermarkt

Streiten die Kunden untereinander, hält sich Farina inzwischen heraus, weil die Erfahrung gezeigt hätte, dass sie sich ohnehin nicht darum kümmern, was sie zu sagen hat.

Gegen Sonntagsöffnung

Als dann vor ein paar Wochen aus der Politik noch der Vorschlag kam, die Supermärkte könnten doch auch sonntags öffnen, war das für Farina der Anlass, ihre Petition "Handelsaufstand" zu starten. Inzwischen haben über 14.500 Menschen ihre Petition unterzeichnet.

"Man kann uns nicht auch noch unseren letzten freien Tag in der Woche wegnehmen."
Farina Kerekes arbeitet im Supermarkt