Für zehn Cent pro Packung bekommt man in Tadschikistan eine Droge, die Chicken-Shit genannt wird.

Feucht, grün und Pfefferkorn-groß ist die Droge, die in Taschikistan Chicken-Shit oder auch Nos genannt wird. Unserer Reporterin Stephanie Rohde wird sie - ganz legal - auf einem Markt in Duschanbe angeboten.

„Nein, nein, das wird nicht aus Hühnerscheiße gemacht, sondern aus Wasser und Tabak.“
Verkäuferin auf dem Markt in Duschanbe

Für umgerechnet einen Cent soll man davon fünf Minuten lang high werden. Früher habe man die Kügelchen mit Hühnerscheiße gestreckt, erklärt ein Verkäufer, daher komme der Name.

Heute wird die Droge Nos aus Tabak hergestellt. Eine weitere Hauptzutat ist Calciumhydroxid. Damit wird Mörtel im Bauwesen zubereitet, früher hat man Ställe mit diesem gelöschten Kalk desinfiziert. Nos wird mit Menthol versetzt, um den beißenden Geschmack von Calciumhydroxid in der Tabakmischung zu überdecken.

"Man raucht es nicht, man legt es unter die Zunge, so."
Verkäufer auf dem Markt in Duschanbe

Nach wenigen Minuten ist das Nikotin und Calciumhydroxid im Blutkreislauf. Was die Tadschiken an Nos mögen: Es kostet wenig und kickt verlässlich jedes Mal - auch wenn man es schon jahrelang konsumiert. Die Wirkung: Es macht wach und aufgedreht.

Wer Nos schluckt, riskiert Durchfall und Erbrechen. Deshalb spucken es die meisten wieder aus. Die kleinen grünen Spuckpfützen sieht unsere Reporterin Stephanie überall. Nos ist sechsmal günstiger als Zigaretten - macht aber viel schneller abhängig.

Überdurchschnittlich viele Fälle von Gaumenkrebs durch Nos

Die Verkäufer auf den Märkten wissen entweder nichts über die gefährlichen Konsequenzen des Nos-Konsums, oder sie verschweigen sie. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken überdurchschnittlich viele Nos-Abhängige an Gaumenkrebs.

Früher sei Nos in Tadschikistan auch anders hergestellt worden und nicht so krebserregend gewesen, erzählt die Drogenexpertin der WHO in Tadschikistan, Mehri Shoismatuloeva, unserer Reporterin Stephanie. Mehris Großmutter hat in den Bergen des Pamirs gelebt und noch selbst Nos hergestellt.

"Mein Großmutter hat Kräuter verbrannt und die Asche mit Tabakblättern vermischt, das war's, und wenn Tabak trocken war, hat sie etwas Wasser hinzugefügt. Das heißt, es war sicher, weil keine Chemikalien beigefügt wurden."
Mehri Shoismatuloeva, Drogenexpertin der WHO

Heute stellen die wenigsten ihr Nos selbst her. Trotzdem wird Nos immer noch als "homemade" bezeichnet - einige Großfamilien in Tadschikistan produzieren das Nos mehr oder weniger professionell.

Sie fügen allerdings Chemikalien wie Calciumhydroxid hinzu, damit der Rausch noch intensiver wird. Homemade Nos ist also auf keinen Fall bio. Und da die Familien ihre Rezepte geheim halten, weiß auch niemand, was tatsächlich den Rausch auslöst.