Abgesehen von der aktuellen Debatte um die Essener Tafel: Es gibt ein grundsätzliches Problem. Die Tafeln haben zu wenig Lebensmittel, um alle Bedürftigen zu versorgen. In Frankreich fährt man deshalb einen anderen Ansatz. Dort gibt es einen Zwang Lebensmittel zu spenden.

Französische Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern dürfen seit zwei Jahren keine Lebensmittel mehr wegwerfen. Stattdessen müssen die Lebensmittel an eine Hilfsorganisation weitergegeben werden. Und das funktioniert auch ziemlich gut, sagt Frankreich-Korrespondentin Barbara Kostolnik. Die Strafen seien zwar nicht so besonders hoch, aber 3.750 Euro pro Verstoß scheinen doch ein Anreiz zu sein, sich diesem Zwang nicht zu widersetzen.

"Da denken die Supermärkte schon drüber nach, ob sie die Lebensmittel weiterhin mit Chlor übergießen, wie sie es vorher gemacht haben, oder ob sie die an Hilfsorganisationen weitergeben."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Laut einer aktuellen Umfrage spenden derzeit über 90 Prozent der Supermärkte ihre Lebensmittel. Ganz uneigennützig ist diese Spendenbereitschaft allerdings nicht. Denn diese Lebensmittelspenden können von den Supermarktbetreibern steuerlich abgesetzt werden. Die Spenden gehen an die Lebensmittelbanken, so heißen die Tafeln in Frankreich. 

Auch die Lebensmittelindustrie soll spenden

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geht das aber noch nicht weit genug. Er will das Gesetz noch strenger machen. So sollen nicht nur die Supermärkte gezwungen sein, ihre noch genießbaren Lebensmittel zu spenden, sondern Macron will an die Quelle, die Lebensmittelindustrie. Und auch die Kantinen in Frankreich sollen mit eingebunden werden. 

"Auch Lebensmittelindustrie und Kantinen sollen verpflichtet werden, alles was sie nicht verkauft haben, an Hilfsorganisationen zu spenden."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Das französische Modell kommt so gut an, dass es inzwischen eine Petition gibt, dieses System für ganz Europa einzuführen. Antreiber dieser Bewegung ist Arash Derambash, Mitglied im Stadtrat von Courbevoie, einer kleinen Stadt in der Nähe von Paris. Der hat auch das französische Gesetz schon durchgeboxt, sagt Barbara Kostolnik. 

"Arash Derambash sagt: ‚Hey, wir müssen das auch in Europa machen. 80 Millionen Leute leben unter der Armutsschwelle und wir müssen da endlich mal was tun.'"
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Eine Million Unterschriften benötigt die Petition, die Arash Derambash beim Petitionsportal Change.org hinterlegt hat. Die sind inzwischen erreicht. Und die Aussichten, dass er damit eine Direktive in Europa erreicht zur Vereinheitlichung der Gesetzgebung, stehen gar nicht so schlecht, so die Einschätzung der Korrespondentin.

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