Ohne den Welttag der Philosophie hätte er nicht mit einer Philosophin gesprochen. Aber einmal im Jahr ist wenig zum Nachdenken, hinterfragen, Zeit nehmen. Unser Reporter Stephan Beuting über eine tägliche Übung.

Die richtige Frage stellen und genauer nachdenken. Im Moment hat vieles Konjunktur, aber das nicht gerade: Philosophie. Sie spielt - mit sehr wenigen Ausnahmen - kaum eine Rolle. Zum Glück ist heute der dritte Donnerstag im November, und damit: Welttag der Philosophie. DRadio-Wissen-Reporter Stephan Beuting hat sich auf die Suche nach der verlorenen Liebe zur Weisheit gemacht.

"Wenn ich morgens gewusst hätte, dass Tag der Philosophie ist und was mir Rebekka Reinhard wenig später erzählen würde, dann wär das definitiv anders abgelaufen."
DRadio-Wissen-Reporter Stephan Beuting

Was viele für den Normalzustand halten, das ist für Rebekka Reinhard nicht hinnehmbar. Nicht nur, weil sie ein offener freundlicher Typ ist, sondern weil sie Philosophin ist. Sie ist auf Lebenskunst spezialisiert und arbeitet als Redakteurin und Autorin für das Philosophie-Magazin Hohe Luft. Und: weil sie einen Kalender herausgibt mit täglichen Philosophie-Einheiten. Unser Reporter hat mit ihr gesprochen.

107 Likes, 6 Comments - Rebekka Reinhard (@rebekkareinhard) on Instagram: "my new article on female empowerment : in ELLE Germany 2/ 2016 @ellegermany #women #power..."
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Die tägliche Auseinandersetzung mit der Welt ist die Dehnübung für den humanistischen Geist. Rebekka Reinhard meint: "Schau mich einfach an, grüße mich. Wenn du das nicht tust, zeigst du nur Gleichgültigkeit und unterstellst, ich bin genauso wie du und das stimmt nicht. Jeder Mensch ist unendlich anders." Das klingt wie ein Übung. Ein Übungsstück in Philosophie und irgendwie weit weg, während wir uns über Populismus, Ignoranz und die Spaltung der Gesellschaft Sorgen machen.

Ethik als Lebenskunst

Es geht darum, den Alltag neu zu entdecken und das Leben schärfer und in bunteren Farben sehen zu lernen, so die Philosophin. Und sie bringt unser tägliches Dilemma auf den Punkt: In dieser hyperkomplexen Welt der Unübersichtlichkeit und des Ungleichzeitigen ist das Einfache das Schwere für uns geworden.

"Ein mögliches Zitat in meinem Kalender kommt von dem großen Philosophen Emmanuel Levinas, der so schön geschrieben hat: Einem Menschen begegnen heißt, von einem Rätsel wachgehalten zu werden."