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Krach auf der Straße oder Nachbarn, die ständig laut Musik hören oder rumschreien. In Deutschland fühlt sich jeder Vierte durch Lärm im Wohnumfeld belästigt. Am Aktionstag gegen Lärm schauen wir, ob es leiser oder lauter in Deutschland geworden ist und wann Lärm krankt macht.

26 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben sich im Jahr 2019 von Lärm belästigt gefühlt. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anlässlich des "International Noise Awareness Day" am 28. April mitgeteilt. Positiv: Es störten sich 2 Prozent weniger Menschen an Krach durch Verkehr, Nachbarschaft oder Industrie als noch im Jahr davor. 2018 ist Deutschland bei der gefühlten Lärmbelästigung auf dem Spitzenplatz in der EU gelandet. Aber noch immer liegt Deutschland weit vorne - nur auf Malta sagen noch mehr Menschen, dass sie Lärm-Probleme haben.

Lärm ist nicht gleich Lärm

Wer was wie stark wahrnimmt, ist für jede und jeden ganz unterschiedlich. Das Bundesumweltministerium nennt Lärm "jedes unerwünschte laute Geräusch" wie von Autos, LKWs oder Flugzeugen, vom Nachbarn oder einer lauten Fabrik in der Nähe.

Wann Lärm krank macht

Eine Dauerbeschallung von mehr als 65 Dezibel erhöht das Risiko, krank zu werden, sagt das Bundesumweltministerium (BMU). Zum Vergleich: Ein normales Gespräch erreicht ungefähr 65 Dezibel. Die Europäische Umweltagentur (EUA) schätzt, dass etwa 6,5 Millionen Menschen in der EU lärmbedingt schwere Schlafstörungen haben - vor allem wegen des Dauerkrachs von der Straße. Zu dem Thema hat die EUA 2020 eine Studie veröffentlicht.

"Eine Dauerbeschallung von mehr als 65 Dezibel erhöht laut Bundesumweltministerium das Risiko, krank zu werden."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Lärm kann verschiedene Krankheiten auslösen, laut BMU zählen dazu Veränderungen in Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Gehirnstromaktivität, aber auch schlechter Schlaf und Stresssymptome. Langfristig kann Lärm zu hohem Blutdruck oder sogar Herzinfarkt führen. Ab einem Pegel von 85 Dezibel wird außerdem das Gehör geschädigt.

Hauptproblem: Straßenverkehr

Der Straßenverkehrslärm ist in den letzten Jahren leider nicht weniger geworden. Die letzte Studie dazu von der EUA stammt von 2014. Die Anzahl der Menschen, die unter Lärm leiden, ist seitdem nicht gesunken. Die Behörde befürchtet eher, dass sie in den nächsten Jahren noch steige. Denn die Städte wachsen weiter.

Umso wichtiger wäre es, dass die Zahl der Autos und LKWs in den Städten sinkt. Mehr E-Autos, die kaum Lärm verursachen, können ebenfalls zur Lärmreduzierung beitragen. Außerdem Flüsterasphalt für alte Straßen und Tempo 30 statt 50 in den Städten. Tempo 30 wird als weniger laut wahrgenommen, sagt unter anderem das Umweltbundesamt.

Die lieben Nachbarn…

Neben dem Straßenlärm gibt es auch die Nachbarn, die schon mal laut werden. Wer meist im Homeoffice arbeitet, nimmt Geräusche im Haus noch stärker wahr als vor Corona. Was erlaubt ist und was nicht, hat der Deutsche Mieterbund zusammengefasst. Ein Beispiel für Lärm am Abend und in der Nacht: "Nächtliches Baby- und Kleinkindergeschrei kann niemand verhindern und muss hingenommen werden." Aber: "Wenn ältere Kinder am späten Abend zu viel trampeln, springen und schreien, ist das verboten."