Wer aufs Auto angewiesen ist und tanken muss, der zahlt im Moment deutlich mehr. Die Spritpreise explodieren, was unter anderem am Krieg in der Ukraine liegt – aber nicht nur. Wir schlüsseln auf, warum wir aktuell so viel zahlen müssen.

Vielleicht ist es euch auch schon aufgefallen: Auf den Autobahnen scheinen die Leute langsamer zu fahren. Sprit sparen ist angesagt – die Preise sind so hoch wie nie. Wer nach dem Bezahlen an der Tankstelle ein Tränchen verdrückt, fragt sich vielleicht auch, wie sich die Preise zusammensetzen und wo der Staat vielleicht etwas machen könnte.

Die Kolleg*innen vom Mdr haben sehr genau aufgeschlüsselt, wo unser Geld pro Liter genau hingeht. Am Beispiel von 2,10 Euro pro Liter Benzin sind das:

  • 1,019 Euro für das Produkt selbst, also auf das Benzin, auf die Transport-Kosten und auf den Gewinn, den die Tankstelle damit macht.
  • 0,655 Euro für die Energiesteuer, die den größten Batzen an Steuern- und Abgaben ausmacht.
  • 0,340 Euro kommt für die Mehrwertsteuer hinzu.
  • 0,084 Euro entfallen auf die CO2-Abgabe und
  • 0,003 Euro auf die Erdölbevorratungsabgabe.

Insgesamt machen die Steuern und Abgaben tatsächlich etwas mehr als die Hälfte des Preises aus. Beim Diesel ist es ein bisschen anders gewichtet, aber im Grunde ähnlich.

Dollarkurs stark

Dass die Preise so gestiegen sind, liegt aktuell nicht nur am Krieg in der Ukraine. Der Dollar-Kurs hat aktuell auch großen Anteil, rechnet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt vor.

"Wenn der Dollar gegenüber dem Euro ziemlich stark ist, steigen auch die Öl-Preise, weil Öl in der Regel in Dollar gehandelt wird, aber wir unsere Tankrechnung hier ja in Euro bezahlen."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Ein Dollar kostet aktuell 0,91 Euro und ist damit gegenüber dem Euro ziemlich stark. Vor einem Jahr waren es noch etwa sieben Cent weniger. Weil Öl in der Regel in Dollar gehandelt wird, aber wir unsere Tankrechnung in Euro bezahlen müssen, zahlen wir aktuell mehr.

Krieg schafft Unsicherheit und treibt die Preise

Der Hauptgrund ist aber der Krieg, der viele Unsicherheiten schafft. Lieferausfälle durch unterbrochene Lieferketten sind möglich und es gibt auch die Befürchtung, dass Russland den Öl-Export stoppen könnte, damit gäbe es weniger Öl auf dem Markt – und damit steigende Öl-Preise.

Und trotzdem sind Experten wie Andreas Hölzl vom ADAC verwundert, dass die Spritpreise so hoch sind. Der Rohöl-Preis ist seit einigen Tagen nämlich deutlich runtergegangen, wodurch eigentlich auch unsere Tankrechnung niedriger ausfallen müsste – tut sie aber nicht.
"Die Kraftstoffe müssten deutlich billiger sein, sie sind es aber nicht, und das zeigt uns, dass hier doch der Krieg in der Ukraine ne große Rolle spielt."
Andreas Hölz, Pressesprecher des ADAC

Der ADAC hat aktuell auch keine Erklärung dafür, warum die Spritpreise trotz gesunkenem Öl-Preis so hoch sind und schätzt, dass sich der Spritpreis gerade ein stückweit vom Öl-Preis abgekoppelt hat.

Nachfrage nach Heizöl treibt Dieselpreis in die Höhe

Noch größer ist der Preisschock aktuell bei dieseltankenden Menschen. Diesel war immer günstiger als Benzin und Super. Jetzt nicht mehr. Das liegt unter anderem daran, dass auch der Preis für Heizöl gerade ziemlich hoch ist.

Kurz zum Hintergrund: Diesel ist mit Heizöl verwandt – chemisch gesehen sind es ziemlich ähnliche Produkte, erläutert Johannes Döbbelt. Beim Heizöl ist die Nachfrage aktuell sehr groß, da auch hier wegen der Verunsicherung durch den Krieg viele Menschen ihre Heizöl-Tanks jetzt schon vollmachen.

"Viele Leute bestellen gerade Heizöl, die Vorräte werden kleiner, die Preise steigen – und weil Diesel eben mit Heizöl verwandt ist, ist auch Diesel gerade besonders teuer."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Nun ist die Frage, wie wir mit den gestiegenen Preisen an der Zapfsäule umgehen wollen. Zum einen ist es natürlich ein riesen Anreiz, Energie zu sparen und das Auto – wann immer es geht – stehen zu lassen. Diese Position vertritt beispielsweise Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff. Seine Idee: Der Staat solle Menschen mit geringem Einkommen direkt Geld zahlen, damit die mit den steigenden Spritpreisen, aber auch mit den hohen Gas- oder Strompreisen besser klarkommen.

"Die hohen Preise geben einen Anreiz, Energie zu sparen und das ist aktuell sehr sehr wichtig. Und wenn wir jetzt die Steuern senken, dann fällt dieser Anreiz weg, eben mit der zur Verfügung stehenden Energie sparsam umzugehen."
Martin Randelhoff, Verkehrswissenschaftler

Von manchen aus der Politik und vom ADAC hingegen kommt die Forderung, die Mehrwertsteuer auf Sprit zu senken. Die liegt aktuell bei 19 Prozent und solle auf 7 Prozent gesenkt werden. Zumindest für eine Zeit lang.