Tauben gelten als schmutzig und als Überträger von Krankheiten. Sie sind aber auch sehr intelligent: Sie können ein Chagall-Gemälde von einem Van Gogh unterscheiden und Tumorgewebe erkennen.

Eine Studie der amerikanischen Akademie der Wissenschaft zeigt, dass Tauben ein überragendes visuelles Langzeitgedächtnis verfügen. Die amerikanischen Wissenschaftler zeigten Tauben nacheinander zahlreiche Bilder mit unterschiedlichen Motiven.

"Die Nervenzellen sind in den Gehirnen von Vögeln nämlich deutlich dichter gepackt, als bei Säugetieren: Gehirne von Ratten und Staren sind ungefähr gleich schwer - Stare verfügen aber über doppelt so viel Neuronen."

Und brachten ihnen bei, einen Schalter mit dem Schnabel zu betätigen, wenn sie ein Bild wiedererkannten. Alle Tauben konnten mindestens 800 Bilder wiedererkennen. Einige Tauben schaffte es sogar, bis zu 1200 Bilder wiederzuerkennen. Und das oft noch nach Monaten. Eine Leistung, die man einer Taube zuvor niemals zugetraut hätte.

An der Universität von Iowa wurden Tauben dazu ausgebildet, Gewebepräparate mit Tumoren von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Dazu zeigten die Wissenschaftler den Vögeln in unregelmäßiger Reihenfolge Gewebeproben mit oder ohne Tumor.

90 Prozent Trefferquote

Die Tauben sollte das Präparat durch das Antippen einer von zwei Tasten richtig zuzuordnen. War die Wahl richtig, gab es für die Tauben Futter als Belohnung. Nach und nach wurde dann die Schwierigkeit erhöht - die Tumore wurden in stärkerer Vergrößerung und auch mal in schwarz-weiß gezeigt.

Später wurden den Tauben Gewebeproben gezeigt, die sie noch nicht kannten. Auch hier konnten die Tauben mit 90-prozentiger Sicherheit Tumorgewebe von gesundem unterscheiden.

Van Gogh bringt Belohnung, Chagall nicht

Tauben können aber Kunstwerke unterscheiden, wenn sie dafür die entsprechende Belohnung bekommen - das haben japanische Wissenschaftler der Keio-Universität herausgefunden. Die Forscher zeigten Labortauben auf einem berührungsempfindlichen Computermonitor in unregelmäßiger Reihenfolge jeweils vier Gemälde von Vincent van Gogh und vier Gemälde von Marc Chagall. Pickten die Tauben auf ein Gemälde von Van Gogh, gab es Futter als Belohnung. Pickten sie dagegen auf ein Gemälde von Chagall, gingen sie leer aus.

Tauben können Malstile von Künstlern unterscheiden

Schon nach neun Durchgängen hatten einige der Tauben gelernt, auch dann einen Van Gogh von einem Chagall zu unterscheiden, wenn sie das Gemälde noch nie zuvor gesehen hatten. Sie hatten also ein Gefühl für den Malstil der Künstler entwickelt. Nach einem Monat waren dazu alle Tauben in der Lage. Und die Tauben schafften es sogar, mit einer Trefferquote von über 90 Prozent, ein Van Gogh-Gemälde zu identifizieren, wenn es zum Teil abgedeckt war.

Doppelt so viel Neuronen wie bei vergleichbaren Säugetieren

Eine tschechisch-amerikanische Studie hat eine Erklärung dafür gefunden, warum Tauben und auch einige andere Vogelarten wesentlich intelligenter sind, als man bisher annahm: Die Nervenzellen sind in den Gehirnen von Vögeln nämlich deutlich dichter angelegt, als bei Säugetieren. Das Gehirn einer Ratte und eines Stars ist beispielsweise gleich schwer: Das Rattenhirn enthält 200 Millionen Neuronen, während es das Hirn des Stars auf mehr als das Doppelte bringt.

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