In Südafrika werden täglich Schülerinnen von Taxifahrern missbraucht. "Taxi-Queens" werden die Opfer zynischerweise genannt: Die Fahrer bieten den Minderjährigen Freifahrten und kleine Geschenke und fordern dafür Sex. Sie nutzen aus, dass den Mädchen das Geld für die Fahrt zur Schule fehlt. 

Besonders in den ärmeren Gegenden Südafrikas gibt es keine öffentlichen Busse und Bahnen, die Kinder in die Schule bringen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Jana Genth. Die Familien, die dort leben - meist sind es größere Familien - leben von Gelegenheitsjobs. Das Geld ist knapp, ein Auto besitzen sie nicht. Sie sind also darauf angewiesen, ihre Kinder mit Sammeltaxis zur Schule zu schicken.

"Taxi-Queens": Sexueller Missbrauch auf dem Schulweg

Unsere Korrespondentin Jana Genth berichtet, dass sich dabei täglich dieselbe Szenen abspielen: Der Taxifahrer sucht sich ein Schulmädchen aus, das neben ihm auf dem Beifahrersitz sitzen darf. Diese Schülerinnen werden als "Taxi-Queens" bezeichnet - sie dürfen meist kostenlos mitfahren, den CD-Player bedienen, werden aber zu einem späteren Zeitpunkt sexuell missbraucht. Die Mädchen sind in der Regel zwischen 12 und 18 Jahre alt.

"Der Taxifahrer fordert eine Gegenleistung. Er sagt so etwas wie: 'Nach Feierabend kommst du aber mit.' Und dann will er halt Sex. Das ist die Bezahlart dafür, dass er freundlich zu ihr war, ihr kleine Geschenke gemacht hat und sie umsonst mitfahren durfte."
Jana Genth, Südafrika-Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova

Viele der Mädchen verstehen gar nicht, dass sie missbraucht werden, erklärt unsere Korrespondentin. Gewalt und Missbrauch sind oft ein Teil des Alltags in ärmeren südafrikanischen Gegenden, die Gesellschaft ist patriarchal, Männer dürfen sich oft alles erlauben. Dass Männer mehrere Frauen haben, ist die Regel, sie haben das Sagen, die Frauen sind gesellschaftlich niedriger gestellt.

"Die Eltern haben oft Angst vor den Taxifahrern"

Die Eltern wüssten in der Regel, dass ihre Töchter für Freifahrten in Taxis missbraucht werden. Sie sind entweder damit einverstanden, so Jana Genth, weil ihnen die materiellen Geschenke, die die Töchter mitbringen, dabei helfen, über die Runden zu kommen. Andere hätten auch Angst vor den Taxifahrern, weil sie wissen, dass viele von ihnen eine Waffe besitzen. Die Taxifahrer wüssten meist auch, wo die Familien wohnen, erzählt sie. Und oft handelten Taxifahrer auch mit Drogen. Deswegen sei die Angst mancher Eltern auch groß, dass die Fahrer ihre Töchter drogenabhängig machen könnten, sollten sie gegen den Missbrauch vorgehen.

"Viele Eltern tolerieren das tatsächlich, weil auch sie denken, dass das normal ist. Manche sagen ihren Kindern sogar, sie sollen nett zu den Taxifahrern sein, damit sie möglichst mit vielen materiellen Geschenken nach Hause kommen und damit auch Geld sparen."
Jana Genth, Südafrika-Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova

NGOs gehen an die Öffentlichkeit

Immerhin: Nichtregierungsorganisationen, wie etwa  Unicef, sind auf das Problem aufmerksam geworden und informieren die Öffentlichkeit darüber. Sie gehen nicht allein aus ethischen Gründen gegen den jahrzehntelang bestehenden Missstand vor. Das traurige Phänomen ist auch aus gesundheitlichen Gründen ein großes Problem in Südafrika: Es gehört zu einem der Hauptverbreitungswege für das HI-Virus. Seit Unicef und andere Organisationen öffentlich auf das Problem hinweisen, ist die Zahl der Anzeigen gegen Täter gestiegen, berichtet Jana Genth. 

"Unicef fordert auch, dass ein eklatantes Problem deutlich verändert werden muss, nämlich die Bildung. Die Bildung der Jungs und auch Mädchen muss verändert und die Stellung der Frau in der Gesellschaft verbessert werden."
Jana Genth, Südafrika-Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova

Die Nichtregierungsorganisationen schärfen damit das Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung, sagt sie. Sie wollen aber noch viel mehr erreichen: Mit Bildung wollen sie die Stellung der Frau in der südafrikanischen Gesellschaft verbessern.

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