Die taz-Kolumne "All cops are berufsunfähig" von Hengameh Yaghoobifarah sorgt für ordentlich Aufsehen. Der Vorwurf: Die Autorin verunglimpfe die Polizei. Jetzt droht Bundesinnenminister Seehofer mit einer Strafanzeige. Für viele ein Angriff auf die Pressefreiheit.

"All cops are berufsunfähig" – Das ist der Titel der Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah, die in der taz, erschienen ist und für mächtig Ärger sorgt. In
dem Text überlegt die Autorin, wo Polizisten in der Gesellschaft eingesetzt
werden könnten, wenn die Polizei, so wie wir sie kennen, abgeschafft werden
würde. Eine Option für die Journalistin: Die Mülldeponie. Für Bundesinnenminister Horst Seehofer wurden mit dem Text die Grenzen der Meinungsfreiheit klar überschritten. Deswegen hat er damit gedroht, die Kolumnistin zu verklagen und Strafanzeige zu stellen.

"Natürlich gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit und Satire. Die beginnt genau da, wo Personen oder Personengruppen verunglimpft werden. Und das ist hier geschehen."
Christian Schicha, Professor für Medienethik

Medienethiker: Kritik nachvollziehbar

Für Christian Schicha, Professor für Medienethik, ist die Kritik von CSU-Politiker
Horst Seehofer nachvollziehbar. Substanzielle Kritik an einer Berufsgruppe könne immer geäußert werden. Das Problem bei der Kolumne: Eine ganze Berufsgruppe werde in dem Artikel verunglimpft. Damit werden die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, sagt der Medienethiker. Als Bundesinnenminister sei es seine Aufgabe, die Polizisten in Schutz zu nehmen. Eine Strafanzeige findet aber auch Christian Schicha fragwürdig.

"Ich finde das äußerst problematisch, wenn die Arbeit der Polizei spontan und undifferenziert diffamiert wird und eine komplette Berufsgruppe diskreditiert wird."
Christian Schicha, Professor für Medienethik

Chefredakteurin: Angriff auf Pressefreiheit

Die Chefredakteurin der taz, Barbara Junge, hat sich bereits für den Text entschuldigt, sagt aber auch, dass eine Anzeige von Horst Seehofer ein "beschämenden Angriff auf die Pressefreiheit" wäre. Der Medienethiker Schicha sieht aber auch ganz klar die Verantwortung bei der Autorin: Journalisten, die reflektiert an Texte herangehen, sollten sich im Vorfeld Gedanken über die Wirkung machen – auch sollten sie sich mit der Individualethik auseinandersetzen, so Christian Schicha. Auch wenn die Kolumne für viel Aufsehen gesorgt hat, bezweifelt er, ob sich damit alle Akteure einen Gefallen getan haben.

"Hier schien die gewünschte Wirkung gewesen zu sein, zu provozieren. Das ist gelungen. Der Diskurs innerhalb und außerhalb der taz ist sehr groß. Ich weiß aber nicht, ob sich alle Akteure einen gefallen getan haben."
Christian Schicha, Professor für Medienethik