Wir arbeiten gerne im Team, mit anderen zusammen. Aber am Ende haben wir manchmal das Gefühl, wir hätten mehr getan als die anderen im Team. Komischerweise geht es jedem im Team so.

"Ohne mich wäre das nicht möglich gewesen", das hat vielleicht jeder von uns schon mal gedacht, wenn er im Team erfolgreich ein Projekt gestemmt hat. Ähnlich geht es uns beim Zusammenleben mit anderen: In der WG sind immer ausgerechnet wir die Person, die am meisten putzt, am häufigsten den Müll runterbringt etc. Diese Wahrnehmung sei ganz normal, sagt der Wirtschaftspsychologe Guido Hertel.

"Personen tendieren dazu, ihren eigenen Anteil zu überschätzen, also ihren Beitrag höher oder größer einzuschätzen als den der anderen."
Wirtschaftspsychologe Guido Hertel über Selbstüberhöhung

Wenn wir alle immer glauben, mehr zu leisten als die anderen, müsste das im Umkehrschluss heißen: Jedes Team müsste seinen Erwartungen übererfüllen, jede Wohnung wäre immer blitzblank und jedes Projekt vor seiner Deadline fertig.

In Wirklichkeit sieht es anders aus. Wir können uns besser an das erinnern, was wir selbst getan haben, als an das, was andere getan haben. Eine Lösung für dieses Dilemma könnte sein: Wenn wir zuerst die Arbeit der anderen Teammitglieder anschauen, wird schnell klar, dass unsere eigene Leistung vielleicht gar nicht so berauschend war.

"Wenn ich die Arbeit im Team realistischer einschätzen will, dann liegt genau da auch die die Lösung für dieses Problem: Erst mal überlegen, wie gut die anderen gearbeitet haben. Die eigene Leistung sieht man danach viel realistischer."
Martin Krinner, DRadio Wissen