In der Millionenstadt Teheran ist das "Dach von Teheran" ein beliebter Treffpunkt, um gemeinsam auszugehen und auf die Stadt herunter zu blicken - in der noch immer die Auswirkungen des jahrelangen Embargos zu spüren sind.

Circa 15 bis 16 Millionen leben in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Auswirkungen des jahrelangen Embargos sind noch deutlich zu spüren, erzählt Reporter Christian Schillmöller, der bereits zum vierten Mal das Land bereist. Einer seiner Lieblingsplätze und auch der vieler Iraner ist das "Dach von Teheran" - Bam-e Tehran heißt es auf Farsi. Der smogfreie Aussichtspunkt in den Bergen wird vor allem von der jüngeren Generation als Treffpunkt genutzt, wo es viele Möglichkeiten zum Ausgehen und oder Imbissstände gibt. Bei guter Sicht kann man erkennen, wie sich die Stadt bis zum Horizont erstreckt.

Bei seiner nächsten Reise in den Iran will Christian dann auch endlich Farsi lernen. Bislang ist er als Reporter in dem Land unterwegs gewesen. Probleme hatte er dabei noch nie. Immer ist er mit einem offiziellen Pressevisum eingereist. Nur dieses Mal gab es Schwierigkeiten, ohne dass er erfahren hätte warum. Kurz vor Abflug musste er in Berlin beim iranischen Konsulat persönlich sein Visum abholen.

Ungezwungener Umgang mit Frauen in der Öffentlichkeit

Als Reporter kann Christian sich relativ frei bewegen, wird aber immer von seiner Übersetzerin begleitet, die vom Staat beauftragt ist. Sie berichtet an offizielle Stellen über Christians Reportagen. Bei seiner Arbeit behindert habe sie ihn noch nie. Im Gegenteil: Sie macht sogar Termine für Christian. Ohne sie wäre er ziemlich aufgeschmissen.

Überhaupt sei der Umgang mit Frauen im Iran viel ungezwungener als man in Europa denke. Mann und Frau treffen sich in Cafés, fahren gemeinsam im selben Taxi und arbeiten ganz normal zusammen. Eine strikte Geschlechtertrennung wie beispielsweise aus Saudi-Arabien berichtet wird, gibt es nicht. Nur wenn im privaten Bereich geschlechtergemischte Partys stattfinden, bei denen Alkohol oder auch Drogen im Spiel seien, gäbe es Schwierigkeiten.

Rote Linie im Kopf

Kritische oder provokante Themen cineastisch umzusetzen, sei für Filmschaffende kein Problem. Tabu ist, nackte Körper zu zeigen. Dieses und andere Tabus markieren eine rote Linie, die Filmschaffende quasi im Kopf haben und die auch schon die Studenten der Filmhochschule verinnerlicht haben. Über 100 Spielfilme werden im Iran pro Jahr produziert.

"Jedes Mal, wenn Mani Haghighi einen Film dreht, überschreiten sechs oder sieben Minuten extrem "die rote Linie", so dass diese auf jeden Fall herausgeschnitten werden. Dafür bliebt der Rest seines Filmes intakt."
Christian Schillmöller, DRadio-Wissen-Reporter

Bei dem hohen Filmoutput seien auch viele Schmonzetten, sagt Christian. Unkritische Kitschfilme wie "50 Kilo Sauerkirschen" von Mani Haghighi. Der Regisseur dreht normalerweise anspruchsvolle Filme, die auch auf der Berlinale wie "A Dragon Arrives" und anderen internationalen Filmfestivals zu sehen sind. Mit ihm konnte Christian ganz normal sprechen, während der Regisseur Jafar Panahi nicht nur mit einem Berufsverbot belegt ist, sondern auch mit Journalisten nicht sprechen darf.