Für das Klima und die Sicherheit: Jetzt wird eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h auf den Autobahnen diskutiert. Wir ordnen die Argumente der Verkehrsverbände ein.

Rund 62 Prozent der deutschen Autobahnstrecken haben keine Geschwindigkeitsbegrenzung, das möchte die Deutsche Umwelthilfe ändern. Sie prüft, ein Tempolimit von 120 km/h auf den Autobahnen einzuklagen. Drei Millionen Tonnen CO2 würden so weniger ausgestoßen. Diese Zahl ist unumstritten.

Bevor das tatsächlich passiert, hat unser Reporter Stephan Beuting versucht, die Fronten zu klären. Er hat mit Michael Müller-Görnert gesprochen. Er ist Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland.

"Tempolimit: Den Streit gibt es schon seit Jahren. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass ein Tempolimit von 120 km/h mehr als drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einspart."

Michael Müller-Görnert sagt, dass drei Millionen Tonnen derzeit dem gesamten CO2-Ausstoß von Island entsprechen. Andreas Hölzel hingegen arbeitet für den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club. Auch er kennt die Berechnung. Er wendet sich gegen ein Tempolimit und begründet das damit, dass nur eine zu vernachlässigende Menge an CO2 weniger ausgestoßen werde.

"Wir reden von CO2-Reduzierung und da ist der Rückgang marginal. Wir reden von einem kleineren Bereich um die 0,5 Prozent. Aus unserer Sicht nicht das Mittel, das man anwenden sollte, wo wir CO2-Reduktion brauchen."
Andreas Hölzel, ADAC Kommunikation

Michael Müller-Görnert hält dagegen. Die Maßnahme koste nichts und habe längerfristige Effekte.

"Autos werden auch konzipiert für Höchstgeschwindigkeit. Das heißt, sie haben mehr Gewicht, stärkere Bremsen. Es ist eine ganze Kette."

Auch Sicherheit ist für Andreas Hölzel vom ADAC kein Argument. Michael Müller-Görnert erklärt, dass das Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden – auch in einen tödlichen oder schweren – auf Abschnitten mit Tempolimit um ein Viertel niedriger sei.

Hingegen betont Andreas Hölzel, dass ihm und dem ADAC auch die Sicherheit am Herzen liege, nur ohne Tempolimit.

" Wenn wir den internationalen Vergleich mal machen, dann sind die Autobahnen bei uns nicht unsicherer, nur weil wir kein flächendeckendes Tempolimit haben. Da gibt es keine Unterschiede, was die Verkehrssicherheitsbilanzen betrifft."
Andreas Hölzel, ADAC Kommunikation

Tatsächlich sind Schauplatz von Zweidritteln aller Unfälle mit Todesfolge Landstraßen. Da hilft ein Tempolimit auf Autobahnen nicht – für Landstraßen prüft die Umwelthilfe juristische Erfolgsaussichten für ein Limit bei 80 km/h.

Michael Mertens, Vize der Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen sagt, dass drei von vier Unfalltoten an Stellen ums Leben kommen, an denen kein Tempolimit gelte. Rasen sei zwar nicht immer die Unfallursache, aber ursächlich für schwere Folgen. Jedes Unfallopfer ist eines zuviel. Unfälle betreffen immer eine Gruppe von Menschen, darauf weist Michael Müller-Görnert hin.

"Jeder Verkehrstote oder Schwerverletzte hat dann noch hundert Folgepersonen, die auch betroffen sind. Seien es die Angehörigen, Freunde, Bekannte oder Helfer vor Ort."

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