Mit Redebeiträgen von Hannah Arendt, Eugen Kogon, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno lief vor zehn Jahren die erste Ausgabe "Hörsaal" bei Deutschlandfunk Nova. Anlässlich unseres Jubiläums öffnen wir unser Archiv und hören uns die erste Folge noch mal an, in der sich die vier Koryphäen der Beziehung von Mensch und Terror widmen.

Am 18. Januar 2010 ging Deutschlandfunk Nova, damals noch DRadio Wissen, zum ersten Mal auf Sendung – mit dabei die erste Folge "Hörsaal". Weil wir damals noch nicht mit Akademien und Universitäten kooperierten, die uns heute mit aktuellen Vorträgen beliefern, haben wir in den ersten Monaten in unserem Archiv gewühlt.

Aus unserer historischen Schatztruhe fischten wir für den ersten Sendetag Beiträge von Hannah Arendt, Eugen Kogon, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1953 zum Begriff des Terrors.

Definition von Terror

"Die Menschen und der Terror" hieß das Thema von Hannah Arendt, die eben 1953 dazu ein Redemanuskript in New York verfasst hatte. Verlesen wurde es von einem Sprecher des RIAS Berlin, der zu dieser Zeit aus dem amerikanischen Sektor Berlins auch in die DDR sendete.

Die deutsch-amerikanische Publizistin definierte den Terror ausschließlich als ein Werkzeug von Tyrannen, Despoten, Diktatoren und Revolutionären. Die Anschläge vom 11. September, von Paris oder Berlin konnte sie ebenso wenig vorhersagen, wie den lang anhaltenden Terror von Al Kaida oder dem sogenannten Islamischen Staat.

So gedacht formuliert sie in ihrem Skript, dass die Welt bis 1953 einen permanenten Terror nicht gekannt habe. Vielmehr legte sie ihren Schwerpunkt in der Ausarbeitung darauf, wie die Diktatoren Hitler und Stalin die Menschen terrorisiert hatten.

"Auf dem uralten Gebiet der Grausamkeit gibt es nur Varianten und Wiederholungen, aber nichts prinzipiell Neues."
Hannah Arendt, Publizistin

Seit Jahrtausenden nichts prinzipiell Neues, was Terror betrifft – so sahen das damals auch der Philosoph Theodor W. Adorno, der Sozialphilosoph Max Horkheimer und der Politikwissenschaftler Eugen Kogon. Die drei Wissenschaftler gaben höchstens zu, dass sich die Gefühle der Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg verändert hätten – insofern als sie die Angst beträfen.

Diffus wirkt die Angst, der sie in der Diskussion versuchen auf den Grund zu kommen. Sogar von Ufos ist wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei den versammelten Geistesgrößen die Rede.

"Und was ist doch der wahre Zustand dieser Welt? Selbst die, die sehr kräftige Töne von sich geben, sind voll von Angst."
Eugen Kogon, Politikwissenschaftler

In ihrer Runde benehmen sich die renommierten Denker vorbildlich, zeigen immer allergrößte Achtung voreinander – so sehr, dass überhaupt kein Diskussionsleiter nötig ist, der für Ruhe und Disziplin sorgt.

Gesprächskultur unter Intellektuellen

Deutlich artikulieren, damit sich alle verstehen, langsam sprechen, bei anderen Meinungen Verständnis zeigen, ausreden lassen: Diese Gesprächskultur scheint wie von einem anderen Stern, verglichen mit heutigen Talksendungen im Fernsehen oder beleidigenden Posts im Netz.

Die Anfänge der modernen, von einer Technik dominierten Welt, müssen für die Koryphäen von damals aber schon spürbar gewesen sein. Glaubte Theodor Adorno doch, durch technische Weiterentwicklung könnte die Welt eigentlich angstfreier werden.

"Wenn die Angst heute größer ist als je, dann hat die Welt sich zugleich so entwickelt, dass ihren technischen Möglichkeiten nach die Angst überflüssig wäre."
Theodor Adorno, Philosoph