Noch in der Nacht der Pariser Anschläge hatte sich der radikale Salafist Pierre Vogel vom IS-Terror distanziert. Dabei gibt es ideologische Ähnlichkeiten zwischen Vogel und den Dschihadisten. Sagt Islamwissenschaftler Götz Nordbruch.

Zu viel Nähe zu gewaltbereiten Islamisten schadet der eigenen Sache - diese Erfahrung hatte der salafistische Prediger Pierre Vogel 2011 gemacht. Damals hatte er in Frankfurt zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufgerufen. Das wurde durch das Frankfurter Ordnungsamt verboten - und auch in der islamistischen Szene bekam Vogel Gegenwind. "Er hat schnell gemerkt, wie sich die Kritik an ihm im öffentlichen Raum verschärft. Und: Er durfte in manchen Moscheen nicht mehr auftreten", erklärt der Islamwissenschaftler Götz Nordbruch.

Worte, nicht Taten

"Pierre Vogel ist einer, der sehr strategisch denkt", sagt Nordbruch. Vogel argumentiere, dass der Terror dem Islam nicht nütze. Und weil er die salafistische Szene in Deutschland mitgegründet hat, will Vogel gerade die Einsteiger in diese Szene nicht durch Nähe zu den Terroristen verschrecken. "Er hat Angst vor dem Backlash dieser Anschläge für die Muslime in Deutschland, auch für seine Missionsarbeit."

"Ich nehme ihm ab, das ihm die Anschläge von Paris zu weit gehen. Das ändert nichts daran, dass seine Ideologie für viele Jugendliche und junge Erwachsene eine Art Durchlauferhitzer ist."

Gerade unter Jugendlichen, so Nordbruch, gäbe es eine gewaltbereite Szene, die sehr martialisch gekleidet im öffentlichen Raum auftritt. Darin sehe Pierre Vogel eine Gefahr für seine Missionsarbeit, denn sein Ziel ist zwar die Islamisierung der Gesellschaft, aber "mit den Mitteln des Wortes." Trotzdem: die salafistische Rhetorik teilt die Menschen in gut und böse ein. "Und dieses Denken kommt bei jungen Leuten auch so an, dass es Gewalt legitimiert", sagt Götz Nordbruch. Die Lies-Aktionen der Salafisten funktionierten als eine Art Einstiegsdroge, viele Teilnehmer seien später in den syrischen Bürgerkrieg gereist.