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Eigentlich ist Tesla ein Vorzeige-Unternehmen, das viele neue Jobs schaffen will. Doch in Deutschland berichten Bewerberinnen und Bewerber von Chaos, Arroganz und schlechter Firmenkultur.

Es läuft gut für Tesla: Der Elektrobauer ist an der Börse gerade 700 Milliarden Euro wert. Mehr als alle anderen Autoproduzenten zusammen. Auch die Produktion selbst kommt in Fahrt, Tesla-Chef Elon Musk hat sein angepeiltes Ziel von einer halben Million produzierter Fahrzeuge fast erreicht. In Deutschland entsteht ein neues Werk mit Zehntausenden von Arbeitsplätzen.

"Die Firmenkultur des Unternehmens, die in einem Wirtschaftswoche-Artikel beschrieben wird, erinnert eher an das letzte Jahrhundert"
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Tesla gilt deswegen als Autobauer der Zukunft. Doch es gibt offenbar einen Kratzer im Lack: "Die Firmenkultur des Unternehmens, die in einem Wirtschaftswoche-Artikel beschrieben wird, erinnert eher an das letzte Jahrhundert", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Im Artikel der Wirtschaftswoche berichten Personen, die sich um einen Job im neuen Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin beworben haben, von "chaotischen Prozessen, arroganten Tesla-Personalern und schlechten Gehältern".

Zum Beispiel soll ein Bewerber gleich zwei Treffpunkte für das Bewerbungsgespräch genannt bekommen haben. Er fuhr auf gut Glück zu einem der Orte, es folgte ein kurzen Zehn-Minuten-Gespräch ohne angebotenes Getränk, danach gab keine es keine Reaktionen auf Nachfragen oder Mails mehr.

Ein anderer Bewerber erklärt, er sei bei seinen Bewerbungsgesprächen gleich zwei Mal versetzt worden.

Schlechte Tesla-Bewertungen auf Arbeitgeber-Portalen

Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Kununu häufen sich die schlechten Bewertungen. Teslas Umgang mit den Bewerbern sei "unhöflich und arrogant". Ein anderer schreibt: "Die Manager sollten freundlicher sein." Er sähe keinen Grund für gleich acht Gespräche: "Wir bewerben uns nicht für den US-Kongress oder das Paradies.“

Ähnlich sieht es bei der Tesla-Tochter Grohmann in der Eifel aus: "Die kommt beim Jobbewertungsportal Kununu auch eher unterdurchschnittlich weg, vor allem im Vergleich zu anderen Firmen aus der Automobilindustrie", sagt Martina Schulte. Nur 46 Prozent der deutschen Tesla-Arbeitnehmenden empfehlen ihren Arbeitgeber weiter. Viele davon empfinden auch ihr Gehalt als schlecht oder sehr schlecht.

Hier in Brandenburg entsteht die Tesla-Fabrik. Giga-Factory genannt.
© imago images | Christian Thiel
Hier in Brandenburg entsteht die Tesla-Fabrik. Giga-Factory genannt.

Klar ist: Tesla braucht viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland. Nach Medienberichten will der Konzern 12.000 Mitarbeitende in Produktion und Verwaltung einstellen. Auf lange Sicht sollen sogar bis zu 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland entstehen.

Tesla äußert sich zu den Vorwürfen bisher nicht. In dem Wirtschaftswoche-Artikel gibt es keine Stellungnahme, auch auf eine entsprechende Anfrage von Deutschlandfunk Nova hat Tesla bis jetzt nicht reagiert. (Stand: 05.01.2021)