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371 Dollar für einen Furz. Also für ein Audio von einem Furz. Wieso? Das ist Kunst! Oder etwa nicht? – Das steckt hinter dem Krypto-Hype in der Kunst-Szene.

Ein Jahr lang haben William Grymesby, Hugh Denys, Thomas Erskine, Lionel Sackville und Brownlow Cecil laut eigenen Angaben ihre Pups-Geräusche aufgenommen und verkaufen die Audios nun meistbietend als Unikate über eine digitale Plattform. "Year of Farts" heißt die Furz-Kunstaktion.

NFT als Hype auf dem Kunstmarkt

Die fünf Freunde reagieren damit auf einen aktuellen Kunst-Hype rund um sogenannte Non-Fungible Tokens (NFT), also einmalige, nicht replizier- oder zerstörbare Tokens. Die dienen als Echtheitszertifikat für eine digitale Datei – Musik etwa oder ein Bild. Oder eben: Aufnahmen von Fürzen.

Und damit machen sie tatsächlich Geld. Das aktuell (20.03.2021) höchste Gebot für einen nummerierten Pups auf der Verkaufsseite: 371 Dollar. Das ist noch nicht so viel, wie bei einer Auktion Ende Februar mit einem GIF erzielt wurde – 600.000 Dollar – aber es ist ja noch... naja, Luft nach oben eben.

"Alles kann Kunst sein."
Stefan Koldehoff, Deutschlandfunk

Ist das nun ein sinnloser Krypto-Hype oder beobachten wir gerade eine Revolution auf dem Kunstmarkt? Ganz langsam. Zunächst mal: Ganz so neu ist die Idee gar nicht. Tatsächlich stehen die NFT-Fürze in einer gewissen Kunst-Tradition, erklärt Stefan Koldehoff, Kunstexperte beim Deutschlandfunk. Mit passender Begründung kann alles Kunst sein, meint er. Kunst habe ja mit Ideen zu tun, die sich manifestieren – und das kann dann eben auch ein Krypto-Furz sein.

Künstlerscheiße in Dosen

Schon in den 50er Jahren etwa hat der Künstler Piero Manzoni in kleiner Auflage von mehreren hundert Stück Objekte mit dem hübschen Titel "Merda d’artista" produziert, also: Künstlerscheiße. Heute werden diese Blechdöschen mit Unikats-Zertifikat mitunter zu sechsstelligen Beträgen gehandelt, berichtet Stefan Koldehoff – was drin ist, weiß keiner.

Gut, Exkremente in Dosen kann man anfassen, sich hinstellen und vor allem: Die Döschen sind zahlenmäßig begrenzt. Eine Datei ist aber ja im Grunde beliebig kopierbar. Wie also einen Wert dafür taxieren?

"Ein Kunstwerk ist genau so viel wert, wie irgendein Mensch bereit ist, dafür zu zahlen."
Stefan Koldehoff, Deutschlandfunk

Der Wert von Kunst liegt beim Betrachter, erinnert Stefan Kolderhoff – bzw. beim Bezahler. Und richtig: Ob man nun wirklich Millionen für einen Picasso ausgeben muss, auch darüber lässt sich ja prima streiten. Wenn ein Objekt aber jemandem etwas wert ist, dann ist auf dem Kunstmarkt eigentlich jeder Preis möglich, so der Kunstexperte. Und das ist bei digitaler Kunst nicht anders als bei klassischer analoger.

Furzkunst: Nur Luftnummer?

Revolutionieren die NFTs nun also den Kunstmarkt, wie einige behaupten? Stefan Koldehoff ist unschlüssig. Die extrem hohen Preise, die etwa ein van Gogh oder ein da Vinci erzielen, hätten schließlich ganz viel auch mit Prestige und letztendlich Angeberei zu tun, sagt er. Mit virtuellen Kunstwerken geht das aber nur begrenzt, glaubt er.

Seine Prognose: Eine bestimmte Gruppe junger, hipper Sammler wird sicherlich noch eine Weile solche virtuelle Kunst preislich nach oben jazzen. Ob das aber langfristig anhält und die Objekte im Wert steigen, da ist er skeptisch. Fartzit: Falls ihr von dem Hype noch profitieren wollt, pupst besser schnell in eure Mikros!