Als erstes staatliches Siegel kennzeichnet der Grüne Knopf fair produzierte Textilien. Im Meer der Öko-Siegel soll der Grüne Knopf den Kunden vor allem an die Hand nehmen und deutlich aufzeigen, welche Produkte sozial und umweltfreundlich hergestellt sind.

Von Hygieneartikeln über Teppiche bis hin zu Kleidungsstücken: Der Grüne Knopf gilt für einen Großteil an Waren, die aus textilen Materialien bestehen. Ist ein Shirt zum Beispiel mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet, hat es damit 26 Mindeststandards in der Produktionskette eingehalten, die das Entwicklungshilfeministerium festgelegt hat.

"Der Grüne Knopf macht grundsätzlich schon Sinn, weil er Kleidung kennzeichnet, die nicht nur ökologisch sondern auch sozial verträglich produziert wurde."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Das bedeutet unter anderem: Arbeiterinnen und Arbeiter erhalten den landesüblichen Mindestlohn und dürfen sich in Gewerkschaften organisieren. Neben den sozialen Kriterien gibt es auch ökologische Aspekte wie beispielsweise das Verbot von gesundheitsschädlichen Chemikalien und Grenzwerte für Abwässer. Zudem müssen Fabriken Brandschutzrichtlinien einhalten.

Grüner Knopf befasst sich aktuell nicht mit allen Bereichen der Produktionskette

Außerdem müssen die Modemarken und Händler 20 weitere Vorgaben erfüllen, die unter anderem einen humanen Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen voraussetzen. Neben der Produktion bezieht das Gütesiegel auch die Lieferkette mit ein.

Unabhängige Institute wie der TÜV, kontrollieren vor Ort, ob die Vorgaben von den Fabriken und Unternehmen eingehalten werden. Obwohl der Grüne Knopf ein staatliches Siegel ist, werden Unternehmen nicht dazu verpflichtet, an dem Verfahren teilzunehmen. Das Nachhaltigkeitssiegel ist also freiwillig.

Grüner Knopf erst mal in der Pilotphase

Zwar hat das Entwicklungshilfeministerium den Grünen Knopf jetzt eingeführt, gerade ist der aber noch in einer Pilotphase. Das heißt das staatliche Siegel bezieht sich aktuell erst mal auf die Bereiche Färben, Bleichen, Zuschneiden, Nähen. Somit garantiert das Siegel derzeit vor allem eine faire und ökologische Endproduktion der Textilien statt für die komplette Produktionskette.

Ein Ende der Pilotphase ist für Juni 2021 geplant. Dann geht es auch um die Bereiche Spinnen, Weben, die Baumwollproduktion und existenzsichernde Löhne für Arbeiterinnen und Arbeiter. In dieser Übergangszeit testet das Entwicklungshilfeministerium die praktische Umsetzung des Verfahrens und sammelt ein erstes Feedback. Dazu veröffentlicht es Zwischenberichte.

Kritik um das Gütesiegel

Gegenwind zum neuen Siegel kommt von einigen Sozial- und Umweltverbänden. Der Branchenverband textil+mode kritisiert die internationale Reichweite des Grünen Knopfs: Als deutschlandweites Siegel habe es auf globaler Ebene nur einen geringen Einfluss. Der Preis der Kleidungsstücke würde dadurch nicht deutlich steigen.

Zudem ist der Grüne Knopf an bereits vorhandene Siegel gekoppelt. Das bedeutet: Um zu überprüfen, ob ein Textilprodukt die Vorgabe der 26 Mindeststandards einhält, schaut sich das Entwicklungshilfeministerium an, mit welchen anderen Gütesiegeln es ausgezeichnet ist. Sind die Siegel glaubwürdig und ausreichend, erhält es den Grünen Knopf. Das kritisiert unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie fordert gesetzliche Regeln für die Marktüberwachung, statt die Standards Dritter zu übernehmen.