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Auch heute noch werden manche Frauen und Mädchen wie eine Ware behandelt und gewaltsam ausgebeutet. Wir blicken auf die lange Geschichte des Handels mit Frauen und auf den Widerstand dagegen.

Am 30. September 1921 unterzeichnen die Mitgliedsstaaten des Völkerbunds eine Konvention, mit der sie den internationalen Mädchen- und Frauenhandel stoppen wollen.

Der Hintergrund: Seit den Auswanderungswellen von Europa in die Neue Welt nach Amerika haben sich die Berichte über Frauen gehäuft, die zwangsweise zur Prostitution oder schlecht bezahlten Arbeiten in Fabriken oder Haushalten gezwungen worden sind.

Zur Prostitution gezwungen

Die meisten Opfer stammen aus Osteuropa, die von Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung überredet werden, sich um eine Arbeitsstelle am anderen Ende der Welt zu bewerben. Aber der Weg in eine bessere Zukunft endet meistens in Bordellen, wo die Frauen nicht nur zur Sexarbeit gezwungen, sondern obendrein auch noch wie eine lukrative Handelsware von einem Ort zum anderen verschleppt werden.

Aktivistin Berta von Pappenheim

Die Menschenhändler nutzen das Vertrauen, das sie bei den jungen Frauen genießen ebenso aus, wie deren schlechte Bildung und die bittere Armut, unter denen ihre Opfer leiden. Gegen diese Missstände geht die deutsch-österreichische Frauenrechtlerin Berta von Pappenheim vor. Sie reist in die Herkunftsgebiete der Frauen, sieht die Armut der Menschen dort und gründet Hilfsvereine, um die Lebenssituation zu verbessern.

"Mit ihrer Aufklärungsarbeit und ihrem Aktivismus wird Berta Pappenheim zu einer der wichtigsten Lobbyistinnen der Völkerbundkonvention. Viele junge Frauen verdanken ihr ihre Freiheit."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Berta von Pappenheim ist eine der wichtigsten Fürsprecherinnen der Völkerbunds-Konvention. Aber das Geschäft mit dem Frauenhandel läuft weiter – bis heute: Die Vereinten Nationen sprechen von mehr als 700.000 Fällen von Frauenhandel pro Jahr mit einer sehr hohen Dunkelziffer.

Ihr hört in "Eine Stunde History":

  • Die Kuratorin des Centrum Judaicum in Berlin, Irene Stratenwerth, blickt zurück auf den Frauenhandel seit dem Mittelalter.
  • Die Historikerin Barbara Beuys beschreibt die soziale und politische Lage von Frauen in Deutschland am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts.
  • Die nigerianisch-österreichische Menschenrechtsaktivistin Joana Adesuwa Reiterer schildert, wer vom internationalen Frauenhandel am meisten profitiert.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erinnert an die Anfänge des Sklaven- und Menschenhandels am Beginn des 16. Jahrhunderts.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries schildert das Leben einer zur Prostitution gezwungenen, jungen Frau in Buenos Aires.

Unser Bild zeigt eine Prostituierte in der Stadt Daulatdia in Bangladesch im August 2021. Bis heute ist Prostitution häufig mit Gewalt verbunden.