Die Rente - macht keinen Spaß, lauter dröges Zeug, wo man sich durchwühlen muss. Wir wollen euch den Einstieg ein bisschen leichter machen. Eure Facebook-Kommentare zum Thema Rente sprechen Bände. DLF-Nova-Wirtschaftsexperte Jörg Brunsmann hat sie sich angesehen.

Redaktionskonferenz vom 1. November 2017
Themenwoche Rente: eure Reaktionen (zweiter Teil)

Susannah hat uns geschrieben: "Wie lange dauert es eigentlich wohl noch, dass Lebensrealitäten bei Journalisten ankommen? Viele Menschen können nicht mehr vorsorgen. Das ist keine Frage des Wollens. Und wenn staatlich geplanter Unsinn der Sorte "Riester" dann noch befeuert, dass selbst Bemühungen um Vorsorge der Lächerlichkeit preisgegeben werden, dann darf man das Thema auch einfach mal anders angehen. "Wir" tun uns nicht schwer. Es ist, durch Bevorzugung der Privatversicherer, schwer gemacht worden."

Antwort von Jörg Brunsmann, DLF-Nova-Wirtschaftsexperte: "Ja, es ist schwerer geworden, sich abzusichern, da hat Susannah recht. Miete, Strom, Lebensmittel - viele sind froh, wenn sie überhaupt über die Runden kommen. Aber zu sagen: Ich kann nicht vorsorgen, Ende und Aus - das ist ein Totschlagargument. Eigentlich sollte es reichen, wenn du ins gesetzliche Rentensystem einzahlst. Tut es nicht mehr, hier versagt die Politik. Da sind wir als Journalisten in der Pflicht, Alternativen zu zeigen. Und das kann nicht sein, dass wir uns auch hinstellen und sagen: Geht eben nicht."

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Martina hat uns geschrieben: "Ich habe auch wenig Geld und einen 450 EUR Job. Der ist ausreichend, die Riesterförderung zu bekommen. Das Wenige, das eingezahlt wird, wird fast verdoppelt. Ich denke, man sollte das Geld nicht verschenken. Lieber mal 10 oder 20 Euro auf die Seite legen. Gibt bis zum Alter auch 20 Euro Zusatzrente."

Antwort von Jörg Brunsmann, DLF-Nova-Wirtschaftsexperte:
"Ja, es reicht, mit kleinen Beträgen anzufangen. Dann noch die Riester-Förderung mitnehmen; genau das Richtige. Die Riester-Rente ist eigentlich nicht so schlecht wie ihr Ruf. Sie funktioniert nach dem Prinzip: Der Staat sagt: Du sorgst privat vor - und ich helfe mit, durch Zulagen und Steuererleichterungen. Das bedeutet aber auch: Du musst dich bewegen; von alleine passiert da nichts. Leider ist die Riester-Rente ziemlich kompliziert gemacht und es gibt Anbieter, bei denen man das Gefühl hat, die schmeißen noch extra Nebelkerzen, um dich abzuzocken."

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Von Armas erreichte uns der Einwand: "Einen wichtigen Grund haben Sie offensichtlich vergessen: Ein nicht kleiner Teil dieser Altersgruppe steckt entweder in Praktika oder in befristeten Verträgen, ich gehöre auch dazu. Warum sollte ich jetzt einen Vertrag abschließen, der mich über Jahrzehnte bindet und zu Zahlungen verpflichtet, wenn ich noch nicht einmal weiß, ob ich in einem Jahr noch meine Arbeit und mein Gehalt habe, aus dem ich dann diese private 'Vorsorge' bezahlen soll?"

Antwort von Jörg Brunsmann, DLF-Nova-Wirtschaftsexperte: "Wann willst du es dann machen? Ich hab das auch Jahre vor mir hergeschoben, obwohl mich diverse Leute gedrängelt haben. Der Einstieg ist das Schwierigste, beruhigt einen dann aber auch ungemein. Wichtigster Tipp: Mach es flexibel: kleiner Vertrag, wenig Einzahlung am Anfang. Und so, dass du wieder aussteigen kannst. Sich jetzt für 30 Jahre komplett festzulegen, wenn ich noch gar nicht weiß, wie es nächstes Jahr bei mir aussieht, das ist in der Tat Quatsch; Flexibilität ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Einstieg ist das Wichtigste."

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Und wer weiß auch schon, wie unsere Welt in 40 Jahren aussieht? Vielleicht haben wir dann alle das bedingungslose Grundeinkommen und brauchen keine Rente mehr.

Annika hat uns dazu geschrieben: "Mal mit [...] Selbstversorgung beschäftigen. Ist die beste Rentenvorsorge heutzutage. Wir leben in einer unendlichen Wachstumsökonomie auf einem endlichen Planeten, bis es knallt. Wie lange soll das noch gut gehen? Ich baue mir im Alter lieber in einer Gemeinschaft Kartoffeln und Radieschen im Garten an, anstatt Flaschen zu sammeln. Wer macht mit?"

Antwort von Jörg Brunsmann, DLF-Nova-Wirtschaftsexperte: "Also Gemüse anbauen im eigenen Garten und solche Sachen? Find ich super; kann ja wirklich auch ein Teil der Altervorsorge sein. Aber auch da musst du dich drum kümmern - auf dem Balkon, dritter Stock wird es schon schwierig. Und das sind Konzepte, da kann dir kein Bank- oder Versicherungsberater weiterhelfen. Die arbeiten mit Geld und rechnen vom Heute direkt ins Morgen. Motto: Wird schon so weitergehen. Wenn du eine andere Vorstellung vom Leben im Alter hast: Super, aber auch das fällt nicht vom Himmel. Also noch mal: Kümmert euch!"