Am 5. Mai 1945 übernahm das Rote Kreuz das Ghetto Theresienstadt von den flüchtenden Nazis, drei Tage später war der Krieg vorbei. Erst dann zeigte sich das wahre Leben in Theresienstadt für Außenstehende.

Hanno Loewy beleuchtet in seinem Vortrag am 2. März 2014 "Ghetto und Propaganda oder: Wie verschieden kann man die Hölle vorzeigen? Eine Reflexion über Theresienstadt, Warschau und Lodz in nationalsozialistischen Medien" die perfide NS-Propaganda. Unter falschen Versprechungen wurden die Häftlinge nach Theresienstadt gelockt. Dort beraubten und quälten die Lagerkommandanten und Aufseher die Insassen. Für die meisten ging es später weiter nach Auschwitz oder in andere Konzentrationslager.

NS-Propagandamaschinerie

Der Medienwissenschaftler Hanno Loewy nimmt vor allem unter die Lupe, wie mit erlogenen Berichten, gestellten Fotos und einem irreführenden Film die Öffentlichkeit über Theresienstadt getäuscht worden ist. Und das noch zu einer Zeit, als für die Nazis schon alles verloren war. Auch der Historiker Wolfgang Benz fand für dieses verzerrte Bild Theresienstadts in der Literatur zahlreiche Belege.

"Jede Verantwortung für das eigene Handeln konnte an höhere Autoritäten, das Schicksal oder an den Führer abgegeben werden. In diesem tragischen Weltbild gab es nur Dinge, die man tun muss."
Hanno Loewy, Medienwissenschaftler

Felix Kolmer, heute 92 Jahre alt, war von 1941 bis 1944 Häftling in Theresienstadt - und hat den Terror überlebt. Als die Russen am 8. Mai 1945 in Theresienstadt einmarschierten, war Felix Kolmer bereits weiter nach Auschwitz deportiert worden. Nur die Optimisten hätten damals überhaupt eine Chance gehabt, den Ghettoalltag durchzustehen, so Felix Kolmer in einer Reportage von Ariane von Dewitz über das Leben in Theresienstadt.

"Gleich am Anfang war ein Misthaufen. Wir haben uns gestürzt auf die verfaulten Zwiebeln. Und die SS-Männer haben uns mit den Kolben geschlagen. Wir wollten nur die Zwiebeln."
Felix Kolmer, Holocaust-Überlebender

Andere Überlebende aus Theresienstadt berichten, dass die Russen beim Einmarsch musizieren und tanzen wollten und den Ghettoinsassen entsprechende Zeichen gaben. Doch die hätten sich wegen Übermüdung und Hunger gar nicht mehr erheben können. Erst danach wurde das ganze Ausmaß der Tragödie sichtbar. Denn der Nazi-Propaganda gelang sogar, in der internationalen Öffentlichkeit ein positives Bild von Theresienstadt zu erzeugen. Den einmarschierenden Russen war gar nicht bewusst, dass sie in ein Lager einmarschierten.

Weitere Informationen und Vorträge zu der Veranstaltungsreihe Symposium: Kunst und Kultur im Ghetto Theresienstadt findet ihr auf der Seite des Jüdischen Museums in Berlin.