Warum Thomas Tuchel viel mehr ist als die jüngere Ausgabe von Jürgen Klopp.

Es war eine Woche des Wahnsinns im deutschen Fußball. Erst geht Bayern München in der Champions League gegen den FC Porto unter: Und dann geht eine Ära zu Ende. Jürgen Klopp will nicht mehr und macht Ende der Saison als Trainer von Dortmund Schluss. Nicht einmal eine Woche später steht sein Nachfolger fest: Thomas Tuchel nimmt ab Sommer auf Klopps Bank Platz. Eine große Überraschung ist das nicht. Aber trotzdem fragt sich jetzt natürlich nicht nur ganz Dortmund: Kann Tuchel Klopp? Und ist er die jüngere Ausgabe des Dortmunder Erfolgstrainers - mit weniger Haaren aber auch weniger Aggressionspotenzial?

"Man könnte sagen, dass Thomas Tuchel eine Mischung aus Jürgen Klopp und Pep Guardiola ist."
Philipp May aus der Sportredaktion

Für unseren Sportredakteur Philipp May geht diese Gleichung nicht ganz auf. Jürgen Klopp setzt bei seiner Arbeit sehr auf Emotionen und habe vor allem den Begriff Vollgasfußball geprägt. Dazu gehört, den Gegenspieler direkt anzulaufen und ihn mit Pressing anzugreifen, sodass er keinen Raum zur Entfaltung bekommt. Und wenn Dortmund dann den Ball hat, geht es im direkten Weg aufs gegnerische Tor, um den Gegner zu überrumpeln.

Ein taktischer Plan, der auch Thomas Tuchel nicht ganz fremd ist. Allerdings habe er noch mehr im Repertoire, sagt Philipp May. Er sieht im neuen Dortmunder Coach eine Mischung aus Jürgen Klopp und Bayern Münchens Meistertrainer Pep Guardiola. Genau diese Eigenschaften machen Thomas Tuchel zum Mann der Stunde in Dortmund, denn das System Klopp, mit dem Dortmund in den vergangenen Jahren die Bundesliga und ganz Europa aufmischte, hat sich ein Stück weit überholt.

Aber ob ein Trainer, der bislang gute Arbeit bei einem Underdog wie Mainz 05 machte und dann erst einmal ein Sabbatical einlegte, auf einmal einem traditionsreichen Spitzenklub wie Borussia Dortmund gewachsen ist? Klar ist: Thomas Tuchel hat in dieser freien Zeit nicht nur die Beine hochgelegt. So hat er sich mehrmals mit Pep Guardiola getroffen und nach allem, was man hört, scheinen die beiden auf einer Wellenlänge zu liegen. Außerdem hat Tuchel über den Stadionrasen hinausgeblickt, sich Trainingsmethoden bei anderen Sportarten angesehen und sich in England von einem Wettanbieter erklären lassen, nach welchen mathematischen Parametern in dieser Branche Fußball analysiert wird. Kurz: Thomas Tuchel ist ein Analytiker, der es aber trotzdem schafft, eine Mannschaft über Emotionen und Ansprache zu erreichen.

Was auch nicht vergessen werden darf, sagt Philipp May: Thomas Tuchel war mit Mainz 05 extrem erfolgreich. So hat der rheinland-pfälzische Verein, der mit bescheidenen Mitteln wirtschaften muss, unter Tuchel über Jahre hinaus einen der besten Punkteschnitte der Liga eingefahren.

Es gibt also einiges, was für den neuen Dortmunder Trainer spricht, Bleibt nur die Frage, wie er beim schwarz-gelben Anhang ankommt. Hier gibt es natürlich auch einige Skeptiker. Was als Nachfolger des extrem populären Jürgen Klopp aber auch zu erwarten war.