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Ein kleiner Affe sitzt in einer Wohnung und packt Päckchen aus. Das finden auf Social Media viele super süß. Der Affe wird geliked, geteilt, sorgt für Glücksgefühle – bei den Usern. Nicht bei den Tieren. Denn Affen so zu vermenschlichen und als Haustiere zu halten sei gegen den Artenschutz, warnt die Internationale Naturschutzvereinigung. Auch Primaten-Expertin Jane Goodall ist entsetzt über Bilder, auf denen Primaten für spaßige Zwecke missbraucht werden.

Wer sich auf Tiktok rumtreibt, wird ihm vielleicht schon begegnet sein: Ein kleiner Affe sitzt in einer Wohnung und packt neugierig Päckchen aus. Ja, das ist ein super süßer Anblick. Der Affe wird geliked, geteilt und sorgt für Glücksgefühle. Allerdings vornehmlich bei den Userinnen und Usern. Für die Tiere ist das aber meistens gar nicht witzig. Die Internationale Naturschutzvereinigung IUCN appelliert deswegen, keine Posts, Fotos oder Videos zu veröffentlichen, die Menschen und Affen in engem Kontakt zeigen.

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat die Vereinigung jetzt Richtlinien veröffentlicht. Sie richten sich vor allem an Forschende, die mit Affen arbeiten, aber auch an Studierende, Affenschützer und prominente Botschafterinnen, die sich für Affenschutz einsetzen.

Immer mehr Menschen wünschen sich Affen als Haustiere

Initiiert hat das Primatenforscherin Sian Waters von der britischen Durham University. Sie ärgert sich seit Jahren darüber, dass auch Forschende immer wieder Fotos in den sozialen Netzwerken posten, auf denen sie zum Beispiel Affen an der Hand berühren oder mit ihnen spielen.

Die IUCN argumentiert, auch solche vermeintlich harmlosen Bilder aus dem Forscheralltag würden schnell falsch gedeutet. Bei Betrachtenden entstehe so vermehrt der Wunsch, den Tieren ebenfalls nahezukommen. Nach Angaben der Vereinigung wachse die Nachfrage nach Affen als Haustieren, was sehr problematisch sei.

Abstand zwischen Tier und Mensch - nicht insta-tauglich, aber sinnvoll

Laut der veröffentlichten Forderung sollte es auf Bildern mindestens einen Abstand von sieben Metern zwischen Mensch und Tier geben, auch sollten Begrenzungen wie Zäune oder Gräben zu sehen sein. Außerdem sollten die Forschenden auf den Bildern einen Mund-Nasen-Schutz tragen, nicht wegen Corona, sondern weil die Möglichkeit bestehe, dass Menschen Affen mit Krankheiten anstecken und umgekehrt.

Zwar sind solche Abstands-Bilder nicht unbedingt insta-tauglich, aber genau darum gehe es, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Ziel sei es, die Vorstellung zurechtzurücken, Menschen könnten mit Affen, Schimpansen und Gorillas "good friends" sein. Das sei gefährlich, weil viele Affenarten für den Menschen sehr gefährlich werden können, wenn sie erwachsen sind.

"Affen im Haus zu halten, ist nie artgerecht."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Außerdem stammen Affen, die zum Beispiel im Internet zum Kauf angeboten werden, in der Regel aus illegalem Handel mit Wildtieren. In der Natur bewohnen viele Affenarten große Waldgebiete. Dort leben sie in engen Sozialverbänden, aus denen sie herausgerissen werden, wenn sie in Privathaltung kommen.

"Um an ein Affenbaby zu kommen, wird oft seine ganze Familie getötet. Anders kommt man gar nicht an die Kleinen ran."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das gelte auch für Tiere, die an Touristen-Orten als Requisite für Fotoshootings herhalten müssen. Neben der Vernichtung ihres Lebensraums ist der illegale Handel mit Affen die größte Bedrohung für die Tiere. Die Forschenden der IUCN appellieren deswegen ausdrücklich, bei solchen Fotoaktionen nicht mitzumachen.

Primatenforscherin Jane Goodall entfernte Fotos, auf denen sie mit Affen zu sehen ist

Ganz verschwinden werden die vermeintlich süßen Affenpostings sicher nicht. Die Vereinigung hofft aber zumindest dazu beitragen zu können, ein realistisches Bild von Affen und ihrer Beziehung zu Menschen zu zeigen.

Das unterstützt auch Jane Goodall, die sich seit den 1960er Jahren weltweit für den Schutz der Tiere starkmacht. Bekannt geworden ist ihre Arbeit unter anderem durch Bilder, auf denen sie eng an eng mit Primaten zu sehen ist. Inzwischen sieht die Forscherin ihre eigenen Bilder kritisch und hat dafür gesorgt, dass sie auf der Website des Jane Goodall Instituts nicht mehr zu sehen sind.

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Und auch öffentlich trägt die weltweit bekannte Forscherin dazu bei, den kritischen Blick auf solche Fotos zu schärfen. 2019 hat sich zu einem vermeintlich lustigen und viralen Schimpansenvideo geäußert. Die Schlussfolgerung: Auch wenn es noch so süß ist, solchen Content sollte man auf keinen Fall liken oder verbreiten.