Sächsisch, hessisch, kölsch - in Deutschland werden jede Menge Dialekte gesprochen. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere.

Dialekte kommen bei Tieren vor allem bei Vögeln vor, aber auch bei Walen, Delfinen, Elefanten, Affen und sogar bei Kühen. Diese Tierarten verfügen über eine komplexe Sprache und leben in räumlich unterschiedlichen Gruppen. "Dialekte sprechen" bedeutet im Tierreich, dass zum Beispiel unterschiedliche Melodien oder unterschiedliche Tonarten gesungen werden. Manchmal ist ein Dialekt auch stimmlich deutlich höher als der andere, oder es wird schneller oder sogar lauter gesungen.

"Amseln in Frankfurt haben ein völlig anderes Liedgut als Amseln in München."
Mario Ludwig, Tierexperte

Unter Umständen sind die Dialekte so unterschiedlich, dass sich die Tiere aus verschiedenen Regionen nicht verstehen können. Amerikanische Wissenschaftler haben zum Beispiel ein Experiment mit Elefanten aus Kenia und Namibia gemacht. Sie nahmen Infraschallwarnrufe von Elefanten auf, mit denen sich die Tiere gegenseitig vor Löwen warnen. Diese Warnrufe spielten sie namibischen Elefanten vor, die gerade an einem Wasserloch tranken.

Die Tiere reagierten auf die Warnrufe aus Namibia und Kenia unterschiedlich: Die Warnlaute der namibischen Elefanten versetzten sie in Aufregung, und sie flüchteten schnell von dem Wasserloch. Die Warnlaute aus Kenia dagegen ließen sie völlig kalt - offenbar konnten sie mit dem Dialekt nichts anfangen.

Manche Tierarten verstehen auch fremde Dialekte

Orcas dagegen können mit fremden Dialekten offensichtlich spielend umgehen. Orcas kommunizieren mit Pfeif- und Grunzlauten, die in unterschiedlichen Gebieten verschieden strukturiert sind. Die Dialekte sind so ausgeprägt, dass Experten sogar verschiedene Orca-Gruppen anhand ihrer "Sprachfärbung" unterscheiden können.

In einem Aquarium in Vancouver hat ein männlicher Schwertwal aber bewiesen, dass Orcas auch fremde Dialekte lernen können: Er ging eine Beziehung mit einem Weibchen ein und übernahm ihren Dialekt. Als das Weibchen starb, verfiel er wieder in seine ursprüngliche Sprachvariante. Später wurden zwei neue Schwertwale in sein Becken gesetzt - auch dieses Mal passte sich der männliche Schwertwal an und lernte den Dialekt seiner neuen Kumpane.

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