Koffein gehört für viele von uns fest zum Alltag. Die Vorteile liegen auf der Hand: Koffein belebt den Kreislauf, steigert die Konzentration und wirkt sich positiv auf unsere Stimmung aus. Doch nicht nur wir lieben koffeinhaltige Getränke, auch Honigbienen fliegen auf den belebenden Stoff - im wahrsten Sinne des Wortes.

Ihren täglichen Koffeinschub erhalten die Bienen nicht an der nächsten Kaffeebude, sondern über bestimmte Pflanzen. Im Nektar von rund 60 Pflanzenarten ist der belebende Stoff enthalten - dazu zählen vor allem Zitruspflanzen und natürlich Kaffeepflanzen.

"Die Wissenschaft glaubt übrigens, dass einige Pflanzen ihren Nektar ganz gezielt mit Koffein versetzen."
Dr. Mario Ludwig

Koffein wirkt bei Bienen ähnlich wie bei uns

Das Koffein verändert vorübergehend die Gehirnstruktur der Bienen. Genauer gesagt: Es verbessert die Erregbarkeit der Kenyon-Zellen. Diese Zellen sind bei Insekten für kognitive Leistungen zuständig. Wird ihre Erregbarkeit gesteigert, verbessert sich die Gedächtnisleistung und die Lernfähigkeit der Bienen.

Das Koffein sorgt für noch fleißigere Bienen

Der Koffeingenuss stärkt nicht nur die kognitiven Leistungen der Bienen, sondern steigert auch ihre Sammeltätigkeit. Schweizer Wissenschaftler zeigten in Versuchen, dass mit Koffein gedopte Bienen im Stock viel häufiger den Schwänzeltanz aufführten. Mit diesem Tanz zeigen die Bienen ihren Artgenossinnen die Distanz und Richtung lohnender Sammelquellen. Bienen, die unter Koffeineinfluss standen, haben viermal so viele Kolleginnen zum Sammeln animieren können. 

Auch Bienen werden zu Koffeinjunkies

Die Suchtgefahr des Koffeins macht auch vor Bienen nicht halt. Die Schweizer Forscher zeigten, dass Bienen, die an koffeinhaltigem Nektar gewöhnt waren, sich nicht für andere Futterquellen interessierten. Sie kehrten immer wieder zum koffeinhaltigen Nektar zurück, selbst wenn die Zuckerdosis bei den anderen Futterquellen erhöht wurde.

Pflanzen machen sich Sucht der Bienen zu eigen

Die Pflanzen haben ein Interesse an der Sucht ihrer fliegenden Fortpflanzungs-Assistenten. Eine Hypothese vermutet, dass einige Pflanzen gezielt den Koffeinanteil in ihrem Nektar steigern, um die Bienen an sich zu binden. So schaffen sie sich gegenüber anderen Arten einen Vorteil und stellen ihre eigene Fortpflanzung sicher.