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Viele Legehennen haben Schmerzen, weil ihre Knochen gebrochen sind. Die Haltungsform – Boden, Freiland oder Bio – spielt nur eine kleine Rolle. Das Phänomen taucht in allen Hühnerställen auf. Woran das liegt, erklärt Veterinärmedizinerin Beryl Eusemann in ihrem Vortrag.

Die Zahl der Legehennen mit einem gebrochenen oder deformierten Brustbein ist hoch. Für die Tiere führt das vor allem zu Schmerzen. In der Haltung von Legehennen werden die Schäden am Brustbein daher als eines der größten Tierschutzprobleme angesehen, sagt die Veterinärmedizinerin Beryl Eusemann. Deshalb sei es wichtig, die Ursache zu finden.

"Brustbeinschäden kommen bei Legehennen extrem häufig vor. Bis zu 97 Prozent der Hennen einer Herde haben ein gebrochenes Brustbein."
Beryl Eusemann, Veterinärmedizinerin

Mit gebrochenen Knochen auf Leistung gezüchtet

Sie vermutet, dass die hohe Legeleistung der Hühner für die Knochenbrüche mit verantwortlich sein könnte. Das heutige Haushuhn stamme von einem Huhn aus Südostasien ab. Dieses Ur-Huhn hat pro Jahr etwa zwölf Eier gelegt. Durch gezielte Zucht hat der Mensch die Leistung des Huhns immer weiter erhöht. Eine Legehenne legt heute über 300 Eier pro Jahr. Das ist 20 Mal so hoch wie bei dem Ursprungs-Huhn, so die Veterinärmedizinerin

"Die Eiproduktion an sich und die Zucht auf hohe Legeleistung scheinen eine ganz wesentliche Rolle bei der Entstehung von Brustbeinschäden bei der Legehenne zu spielen."
Beryl Eusemann, Veterinärmedizinerin

Um ihre Vermutung zu bestätigen, entwickelte sie eine Studie. 40 Legehennen wurden in vier unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Manche Hennen bekamen ein Implantat, das die Eibildung verhinderte. Anschließend untersuchte die Forschenden, ob diese Hennen weniger Knochenbrüche hatten als die Tiere, die weiterhin Eier legten.

Die Frage nach dem Tierwohl

Zu welchen Ergebnissen Beryl Eusemann in ihrer Studie gekommen ist, wie sie diese aufgebaut hat und welche Effekt die Ergebnisse auf das Tierwohl von Legehennen hat, erläutert sie in ihrem Vortrag.

Ihre Studien hat Beryl Eusemann im Rahmen ihrer Promotion am Friedrich-Loeffler-Institut durchgeführt, die sie im Jahr 2020 an der FU Berlin verteidigt hat. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Tierschutzbeauftragte am Bundesinstitut für Risikobewertung und forscht zu Fragen des Tierschutzes bei Versuchstieren. Sie hat ihren Vortrag am 29. Juli 2021 online gehalten im Rahmen der Sommeruni der Freien Universität Berlin. Für den Hörsaal hat sie den Vortrag noch einmal eingesprochen.