Pazifische Rotfeuerfische sind ausgesprochen schön. Nach Meinung von Fachleuten sind sie allerdings gefährliche Invasoren. Die Fische, die vor rund 40 Jahren in die Karibik eingewandert sind, haben sich dort nämlich in Windeseile ausgebreitet und einen ökologischen Kahlschlag verursacht. Die Population kann eingedämmt werden – auszurotten ist sie aber nicht.

Rotfeuerfische sind etwa 40 Zentimeter große tropische Fische. Unverwechselbar sind sie durch ihre auffälligen vertikalen rot-weißen Streifen am ganzen Körper und ihre sehr langen Brustflossenstacheln, die sich wie ein Fächer um den ganzen Fisch ziehen. Schöne Tiere - aber auch hochgiftig.

"Das Gift verursacht starke Schmerzen und Krämpfe, ist aber nicht tödlich."
Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig über die Stacheln des Rotfeuerfischs

Die Haut über den Stacheln der Rückenflosse enthält nämlich eine Substanz, die auch Menschen gefährlich werden kann: Das Gift verursacht starke Schmerzen und Krämpfe, ist aber nicht tödlich. Rotfeuerfische sind normalerweise im Indischen Ozean, im Pazifik und im Roten Meer zuhause.

Wie der Rotfeuerfisch in die Karibik kam, ist unklar

Darüber, wie die Fischart in die Karibik einwanderte, gibt es nur Vermutungen. Als wahrscheinlich gilt, dass einige Exemplare Mitte der 1980er Jahre in Florida aus einem Aquarium ins Meer ausgesetzt wurden und sich die Fischart dann entlang des Atlantiks und Golfs von Mexiko bis an die karibischen Küsten ausbreitete.

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In ihrem neuen Lebensraum siedeln die Rotfeuerfische fünf bis fünfzehn mal dichter als in ihrer Heimat, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature - An manchen Stellen leben demnach etwa 400 Fische pro Hektar.

Rotfeuerfische verändern komplette Ökosysteme

Rotfeuerfische belasten die Umgebungen, in denen sie leben. Denn sie fressen alles, was sie schlucken können. Magenuntersuchungen der University of Hawaii in Manoa haben ergeben, dass Rotfeuerfische dutzende verschiedene Fisch- bzw. Krebsarten fressen. Und da ein Weibchen im Jahr bis zu zwei Millionen Eier legt, vermehren sich die gefräßigen Raubfische unglaublich schnell. Diese Massen von Fischen können ein Riff innerhalb kürzester Zeit leer fressen.

"Rotfeuerfische fressen so lange, bis eine lokale Beutefischpopulation ausgerottet ist."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Außerdem sind Rotfeuerfische keine nachhaltigen Jäger. Das heißt, sie fressen so lange, bis eine lokale Beutefisch-Population komplett ausgerottet ist. Dadurch können die Rotfeuerfische ganze Ökosysteme verändern. Einige ihrer Beutefische zum Beispiel ernähren sich von Algen und sorgen so dafür, dass die Riffkorallen nicht überwuchert werden. Wenn diese Arten fehlen, weil sie weggefressen wurden, bedeutet das, dass die Korallen über kurz oder lang absterben. Und sterben die Korallen ab, stirbt auch das Riff.

Rotfeuerfische haben keine Fressfeinde

Rotfeuerfische haben in der Karibik keine Fressfeinde. In Indischen Ozean und im Pazifik ist das anders, dort machen Zackenbarsche gerne Jagd auf sie. Die Raubfische der Karibik haben aber noch keine Strategie entwickelt, wie sie die giftigen Stacheln umgehen können.

Regierungsorganisationen, Umweltschützer und Sporttaucher machen mittlerweile ganz gezielt mit Harpunen Jagd auf die Rotfeuerfische. Inzwischen wurden sogar sogenannte "Lionfish Removal Days" und diverse Fang-Wettbewerbe ins Leben gerufen. Die Taucher, die dabei die meisten Exemplare erbeuten, werden mit Geldprämien in Höhe von mehreren Tausend Dollar belohnt.

Vergebliche Bekämpfungs-Versuche

Bei solchen Wettbewerben werden oft riesige Mengen an Rotfeuerfischen erbeutet. So soll etwa bei der Lionfish Challenge 2016 in Florida allein der Sieger 3.324 Exemplare zur Strecke gebracht haben. Außerdem wird versucht, Rotfeuerfisch auf den Speisekarten diverser Restaurants zu etablieren.

"Ich habe noch nie einen Rotfeuerfisch probiert."
Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig über Rotfeuerfische als Gericht

Die massenhafte Ausbreitung der Rotfeuerfischen ist vermutlich aber nicht wieder einzudämmen. Der Biologe Mark Vermeij, der auf Curaçao gegen die tierischen Invasoren kämpft, hat diese Versuche mal mit der Bekämpfung von Kakerlaken verglichen. Die Population kann eingedämmt, aber nicht ausgerottet werden.