Hinter einer Wellblechmauer, etwa eine Autostunde von Moskau entfernt, leben 3000 Hunde in einem Tierheim. Unter der Woche werden sie mit dem nötigsten versorgt. Nur am Wochenende kommen sie raus aus ihren Käfigen. Dann werden sie von einer regelrechten Armee von Freiwilligen umhegt und gepflegt.

Während ihre Freunde am Sonntag ausschlafen oder sich in einem Café treffen, setzt sich Anastasia ins Auto. Ihr Ziel: ein Tierheim am Rande Moskaus. Eine Stunde dauert die holprige Fahrt. Es geht quer durch eine Industriebrache mit ein paar Plattenbausiedlungen. Teile der Straße sind nicht mal fertig gebaut. Es ist ein trostloser Flecken Erde, den sie da besucht. In elendig langen Reihen ist Käfig an Käfig an Käfig. Zwei mal drei Meter groß, belegt mit ein, zwei, manchmal auch drei Hunden.

Eigentlich ist Anastasia Finanz-Anaylstin. Eine Führungskraft mit eigenem Team. Aber am Sonntag ist sie hier, um sich um die Hunde zu kümmern. Sie streichelt sie, spielt mit ihnen oder geht mit ihnen Gassi. Seit vier Jahren macht sie das schon. Jeden Sonntag. Dann verbringt sie sechs bis acht Stunden bei den Tieren.

"Jeden Sonntag habe ich das Gefühl, dass ich mehr schlafen will, und es ist so schwer aufzustehen. Aber dann wenn ich nicht komme, können vielleicht zehn oder zwanzig Hunde nicht spazieren. Und niemand kann ihnen helfen."
Anastasia

Gesetzesänderung füllt Russlands Tierheime

Dass in den Tierheimen in Russland so viele Hunde ein karges Dasein fristen müssen, ist auf eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1999 zurückzuführen. Damals hat die russische Regierung ein Gesetz erlassen, dass es verbietet, Straßenhunde einfach umzubringen. Allerdings pfeifen viele auf dieses Gesetz. Nachts ziehen Hunde-Jäger durch Moskaus Straßen, wildern die Tiere oder legen Giftfallen aus. Die toten Tiere landen dann im Müll. Deshalb werden 2010 insgesamt 12 Tierheime in und um Moskau eröffnet.

Nur wenige Hunde können vermittelt werden. Die meisten Hunde landen deshalb bei Menschen aus Westeuropa, gut die Hälfte davon in Deutschland. Aber es kommen immer neue dazu. Weil eine Kastration in Russland zu teuer für die meisten Hundebesitzer ist, setzen sie die Welpen einfach aus. Und weil die meisten Straßenhunde einfach alle gleich aussehen, sind sie schlecht zu vermitteln. Und deshalb bellen, knurren und winseln 3.000 Hunde in den Käfigen in einem Tierheim am Rande Moskaus. Ohne die Freiwilligen, wären sie völlig auf sich allein gestellt.