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Projekte wie "Best Bees", "Beewise" oder "Apis Protect" setzen im Kampf gegen das Bienensterben auf Big Data, KI und Crowdsourcing. Sie überlassen Bürgerinnen und Bürgern gegen eine Gebühr einen Bienenschwarm und sammeln anschließend die Daten, um herauszufinden, warum so viele Bienen sterben.

Jede und jeder von uns kann Bienenforscher sein. Zumindest können wir uns Bienen zulegen und dafür sorgen, dass wir auf diese Weise mehr Daten über sie bekommen und damit besser aufklären können, warum weltweit so viele von ihnen sterben. Das versprechen zumindest einige Firmen, berichtet unsere Netzreporterin Martina Schulte.

600 Dollar pro Schwarm

Bei der Best Bees Company, einem US-Startup aus Boston, können alle mitmachen, die in Boston leben, wie die BBC berichtet. Gegen eine Gebühr von 600 Dollar kann man sich einen Bienenschwarm von 10.000 Tieren ausleihen und ihm dann auf dem Dach der Firma, des eigenen Hauses oder im Garten ein neues Zuhause geben. Genau das haben gerade in der Corona-Pandemie offenbar auch viele Menschen gemacht.

"Die Gesundheit der Bienen wird mit Sensoren und einer Software überwacht. Die Daten gehen an Forschende am MIT und der Harvard University."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Um die Pflege der Bienen kümmern sich dann die Mitarbeiter der "Best Bees Company". Dafür nutzen sie Sensoren und eine extra entwickelte Software, die die Gesundheit und die Ernährung der Bienenvölker minutiös überwacht. Diese Daten werden dann mit Forschenden am MIT und an der Harvard University geteilt, damit die Wissenschaftler besser verstehen können, was den Bienen fehlt.

Viele Bienenstöcke gehen verloren

Eine Studie hat gezeigt, dass allein in USA zwischen April 2019 und April 2020 über 40 Prozent der Bienenstöcke verloren gingen. Als Gründe dafür werden zum einen Pestizide, zum anderen der Klimawandel und der Befall durch Parasiten, vor allem durch die Varroa-Milbe, verantwortlich gemacht. So ganz genau weiß man das aber eben immer noch nicht.

Crowdsourcing-Projekte wie "Best Bees" wollen deshalb dabei helfen, das Ganze wissenschaftlich besser zu erforschen. Trotzdem: In erster Linie ist das eine kommerzielle Firma, sagte Martina Schulte. Denn der Honig, den die 700 Bienenvölker der "Best Bees Company" in Boston sammeln, wird verkauft.

Sensoren in den Bienenstöcken

Auch die irische Firma Apis Protect setzt auf Sensoren in den Bienenstöcken. Diese messen ständig die Feuchtigkeit, die Temperatur sowie die Geschwindigkeit und die Geräusche der – aus dem und in den Stock – fliegenden Bienen. Die Daten werden dann mit Hilfe einer KI ausgewertet – so erhält der Imker Informationen über die Gesundheit der Kolonien, über Krankheiten und Schädlinge. Das heißt, er weiß Bescheid, welche Bienenstöcke gesund sind und welche vielleicht schrumpfen.

"Die Sensoren messen Feuchtigkeit, Temperatur, Geschwindigkeit und Geräusche der aus dem und in den Stock fliegenden Bienen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

So ein Bienenstock-Überwachungssystem ist vor allem für Imker sinnvoll, die mehrere Bienenvölker haben. In den USA besitzen einige der größten Honigproduzenten um die 90.000 Völker. Mit Hilfe der Software können sie ihre Bienen fernüberwachen, anstatt sie wie in der traditionellen Imkerei regelmäßig persönlich in Augenschein nehmen zu müssen.

Solarbetriebener Wolkenkratzer für Bienen

Auf eine solche Fernüberwachung setzt auch die israelische Firma Beewise. Sie hat eine Art solarbetriebenen Wolkenkratzer für Bienenvölker entwickelt: eine große kastenförmige Struktur, die in einzelnen Schubladen bis zu 24 Völker beherbergen kann. Per App kann der Imker seine Völker darin überwachen. Kameras liefern ihm Live-Bilder aus dem Inneren der Bienenstöcke, Sensoren liefern Daten zu Temperatur und Feuchtigkeit. Es gibt sogar eingebaute Roboterarme, die Arbeitsschritte – wie die Schädlingsbekämpfung oder die Honigernte – vollautomatisch erledigen.

"Roboterarme erledigen Arbeitsschritte wie Schädlingsbekämpfung oder Honigernte vollautomatisch."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die Idee, die hinter dem Geschäftsmodell aller Firmen steckt: Wenn man frühzeitig bemerkt, dass ein Bienenstock Probleme hat, dann kann man im besten Fall noch rechtzeitig eingreifen und die Tiere retten. Natürlich geht es hierbei nicht nur um das Wohl der Tiere, sondern knallhart ums Geschäft, stellt Martina Schulte klar: Denn wenn weniger Bienen sterben, dann machen die Imker und die Honigproduzenten natürlich auch mehr Gewinn.