Stadttauben dürfen normalerweise nicht gefüttert werden. Der Tierschutzbund fordert Kommunen auf, dieses Verbot während des Lockdowns aufzuheben, damit die Vögel nicht verhungern. In manchen Städten wurden bereits Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Viele Innenstädte sind bevölkert von Stadttauben, die sich in der Regel von unseren Essensresten ernähren. Hier mal ein paar Krümel von einem belegten Brötchen, ein paar Pommesreste oder ein Stück Croissant, das auf die Straße gefallen ist.

"Das ist tatsächlich ein riesiges Tierschutzproblem. Also die Tauben leiden selber darunter, dass sie so viele sind. Dass sie keine Nahrung finden, dass sie keine Brutmöglichkeiten haben."
Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes

Weil es sehr viele Tauben in den Innenstädten gibt und wenig natürliches Futter zu finden ist, sind die Vögel abhängig davon, sich von unseren Essensresten zu ernähren. Das ist nicht artgerecht und ein großes Tierschutzproblem, bestätigt Lea Schmitz, die Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Aber zumindest sichert es dem größten Teil der städtischen Tauben im Normalfall das Überleben.

In Lockdown-Zeiten ist es noch schwieriger für die Tauben, satt zu werden. Die Geschäfte bleiben geschlossen, die Gastronomie hat zu und viel weniger Menschen sind in den Innenstädten unterwegs. Zudem herrscht in vielen Städten sowieso schon ein generelles Fütterungsverbot für Tauben.

Deutscher Tierschutzbund fordert Tauben-Konzept

Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Kommunen jetzt dazu auf, Fütterungsstellen für Stadttauben einzurichten, um sie vor einem drohenden Hungertod zu bewahren. In manchen Städten wurde das Fütterungsverbot inzwischen durch Ausnahmeregelungen teilweise außer Kraft gesetzt.

“Wichtig ist uns, dass jetzt nicht jeder losrennt und irgendwie Tauben füttert. Sondern dass das wirklich kontrolliert gemacht wird von Leuten, die sich auskennen."
Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes

Lea Schmitz betont allerdings auch, dass die Fütterung der Tauben kontrolliert ausgeführt werden sollte. Das heißt, dass Menschen, die sich gut mit diesen Vögeln auskennen, die Tiere artgerecht mit Körnern und Wasser versorgen.

Insgesamt müsse ein Tauben-Konzept für die Städte her, um zum Beispiel zu große Taubenpopulationen zu verkleinern und den Vögeln Brutmöglichkeiten zu bieten, wie das in Mainz und Braunschweig bereits getan wird. In diesen Städten wurden kleine Türme für die Tiere installiert.

Das hat beispielsweise den positiven Effekt, dass sich die Standtort-treuen Vögel nicht mehr über die gesamte Innenstadt verteilen. Durch den gezielten Austausch von Taubeneiern gegen Attrappen gelingt es dann auch die Zahl der Tauben zu dezimieren, ohne dass die Vögel darunter leiden.