Jede Tierart hat ihre eigene Sprache. In manchen Fällen konnten Forscher aber beobachten, dass Tiere die Sprache einer anderen Art erlernt haben.

In Sachsen ist 2018 etwas passiert, das bei Forschern einige Fragen aufgeworfen hat. Ein wilder Elch hatte sich einer Kuhherde angeschlossen und lebte mit ihnen - wich ihnen sogar nicht von der Seite. Warum er das tat, weiß keiner. Aber offenbar gehörte er fortan zur Herde. Spannend ist nun: Wie kommunizieren Elche und Kühe miteinander?  

Bei beiden Tierarten - Elch und Kuh - konnten Wissenschaftler jeweils rund zehn unterschiedliche Laute mit unterschiedlichen Bedeutungen feststellen. In diesem Fall könnte man also von einer reduzierten Form einer Sprache sprechen, aber Elche und Kühe verständigen sich untereinander - so viel steht fest. Hat der Elch also "kühisch" gelernt? Oder die Kühe "elchisch"? In diesem konkreten Fall wissen wir leider noch nichts Genaues - auch, wenn anzunehmen ist, dass sich beide Arten irgendwie untereinander verständigt haben. 

Bei anderen Tieren ist eine Kommunikation unter verschiedenen Arten aber schon genauer beobachtet worden. Bei Elefanten zum Beispiel. 

Tiere können Fremdsprachen erlernen

In einem Zoo in Rom gab es einen Afrikanischen Elefantenbullen, der in den 1980er und 1990er Jahren 18 Jahre lang zusammen mit zwei Asiatischen Elefantenkühen gelebt hat. Sie waren gemeinsam in einem Gehege. Erstaunlich ist; Asiatische und Afrikanische Elefanten unterscheiden sich nicht nur äußerlich, was ihre Größe, Kopfform oder die Ohren betrifft - sie kommunizieren auch anders. 

Afrikanische Elefanten stoßen Brummtöne aus, Asiatische Elefanten eher Zirp- und Zwitscherlaute. Normalerweise können sich diese beiden Arten also nicht verständigen. Der Afrikanische Elefantenbulle Calimero hat dann aber im Laufe der Jahre die asiatische Sprache gelernt - wie eine Fremdsprache, sagt Deutschlandfunk-Nova-Biologe Mario Ludwig.

"Calimero machte aus der Not eine Tugend und erlernte - wohl um nicht zu vereinsamen - die Zirp- und Zwitschertöne seiner asiatischen Mitbewohnerinnen."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Biologe über das Erlernen von Fremdsprachen unter Tieren

Während es sich beim Afrikanischen Elefantenbullen aus Rom um einen Einzelfall handelt, gibt es auch ganze Tierarten, die die Sprache von anderen Tieren lernen können. Orcas sind ein Beispiel. Orcas können sich offenbar die Lautrepertoire der Delfine aneignen, was wohl insofern ganz gut funktioniert, als beide Arten - sowohl Delfine als auch Orcas - ein ähnliches Vokabular haben. Sie kommunizieren jeweils über Klick- und Pfeiftöne. Unklar sei jedoch, sagt Mario Ludwig, ob die Orcas die fremde Sprache nur nachplappern oder auch wirklich verstehen.

Vögel erfinden Drittsprache zur Kommunikation

Ein anderer Fall wurde bei Vögeln beobachtet. 1969 bemerkte ein deutscher Ornithologe, dass ein Hänfling, der zusammen mit einem Dompfaff in einer Freilandvoliere gehalten wurde, innerhalb kürzester Zeit den Lockruf und Gesang des Dompfaffen erlernt hatte. In einem nächsten Schritt wurde der Hänfling zusammen mit einem Rotkehlchen in eine Voliere gesteckt. Auch das Rotkehlchen hatte vorher Dompfaffenlieder und -lockrufe gelernt - und dann geschah das Unglaubliche, sagt Mario Ludwig. "Beide unterhielten sich in der Drittsprache, in der Sprache des Dompfaffen miteinander." 

"Wenn der Hänfling den Dompfaff-Lockruf ertönen ließ, kam das Rotkehlchen sofort. Umgekehrt dasselbe: Auch das Rotkehlchen konnte den Hänfling mit Dompfaff-Gezwitscher herbeilocken."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Biologe über die Verwendung einer Drittsprache bei Vögeln

Das sei in etwa so, als würden sich ein Deutscher und ein Spanier auf Französisch unterhalten, so Mario Ludwig.

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