Viele Nagetiere fristen als Haustiere möglicherweise ein trauriges Dasein in beengten Käfigen, da ein großer Teil der verkauften Ausstattung nicht tiergerecht ist.

Bälle, in die man Hamster setzen kann, die dann durch den Wohnraum rollen, und kleine Hamsterautos – das mag auf den ersten Blick niedlich aussehen und den Eindruck vermitteln, dass sich die Tiere damit frei bewegen können, in Wahrheit erweist sich das aber als Quälerei für die Kleintiere.

Dass solches Hamster-Zubehör völlig ungeeignet ist, liegt für Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund auf der Hand. Sie sagt: "Der Hamster kann sich überhaupt nicht entscheiden, diese Kugel wieder zu verlassen. Das heißt, er bollert durch die Gegend und knallt gegen Ecken."

"Das Problem ist, dass das Häuschen viel zu klein ist. Das kannst du gut für eine Ratte oder für ein Rattenpärchen nehmen. Aber ein Meerschweinchen passt da vorne und hinten nicht mehr rein."
Alessia Börstler, Abteilungsleitung für Lebendtiere in einem Zoofachgeschäft in München
Hamster in beengtem Käfig
© imago | Panthermedia
Beengte Käfige und fehlende tiergerechte Ausstattung.

Die Regale in Zoofachgeschäften sind voll mit Kleintier-Zubehör: Man findet alles von Holzstrickleitern über leere Kokosnüsse bis zu kleinen Spielzeug-Kanus für Hamster. Oft steht auf den Verpackungen zwar, dass die Gegenstände für Nagetiere geeignet sind, aber es ist nicht spezifiziert, ob das für Mäuse, Ratten, Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen gilt. Dadurch kann es unerfahrenen Kleintier-Besitzern möglicherweise schwerfallen, das passende Zubehör für das eigene Haustier zu finden.

Zudem kann man im Netz ganz ohne Beratung alles Mögliche für Kleintiere bestellen, was völlig ungeeignet ist. Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund ist besorgt darüber, dass man mit einem Klick Geschirre, Kleidchen oder Röhrensysteme aus Plastik ohne ausreichende Luftzufuhr für Kleintiere bestellen kann.

80 Prozent des Zubehörs und der Käfige sind tierschutzwidrig

Viel zu unpräzise findet auch die Tierschutzbeauftragte Anna-Caroline Wöhr die Kennzeichnung von Kleintier-Ausstattung. Für eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sie Zubehör für Kleinsäuger in Deutschland untersucht. Dabei hat sie festgestellt, dass viele der Angebote nicht nur ungeeignet waren, sondern sogar tierschutzwidrig.

"Das Erschreckendste war eigentlich, dass 80 Prozent des Zubehörs und der Heimtierkäfige, die wir im Online-Handel und in Zoofachgeschäften und in Bau- und Gartenfachmärkten vorgefunden haben, tierschutzwidrig waren."
Anna-Caroline Wöhr, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung

In Deutschland gibt es zwar ein Tierschutzgesetz, darin sind aber keine konkreten Haltungsvorschriften für Kleintiere festgehalten. Orientierung für Fachgeschäfte und Kunden gibt es vom Deutschen Tierschutzbund und der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Sie haben Leitfäden herausgebracht, in denen Tierhalter*innen nachlesen können, wie groß beispielsweise der Käfig für ein Meerschweinchen mindestens sein muss. Oder mit Tipps und Infos zur Haltung von Goldhamstern.

Österreich: Tierschutz-Kennzeichen von Fachstelle

In Österreich sind Tierschützende schon einen Schritt weiter: Dort gibt es seit 2013 das sogenannte staatliche Tierschutz-Kennzeichen. Eine Fachstelle überprüft jedes neuartige Produkt für Heim- und Nutztiere und schaut, ob es im Sinne des Tierschutzes ist. Sind alle notwendigen Kriterien erfüllt, erhalten die Hersteller das Sigel. So lässt sich schneller erkennen, ob das Produkt bedenkenlos gekauft werden kann.

Das Problem: Für Kleintiere kommen kaum noch neuartige Produkte auf den Markt und ungeeignete Ausstattung wie Hamsterbälle ist schon lange erhältlich. Allerdings lassen sich inzwischen einige Hersteller ihre Produkte freiwillig zertifizieren.

Aus dem Handel verschwinden Hamsterbälle und zu kleine Käfige aber nur, wenn sich die Fachmärkte dazu entschließen, diese nicht mehr zu verkaufen, um das Tierwohl besser zu wahren.

"Als letztes sind momentan die Geschirre rausgeflogen. Wir haben sie aus unserem offiziellen Sortiment herausgenommen."
Alessia Börstler, Abteilungsleitung für Lebendtiere in einem Zoofachgeschäft in München