Das Online-Portal "Buzzfeed News" hat enthüllt, dass Mitarbeitende von Chinas Tiktok-Zentrale aus auf Daten von US-Nutzern zugreifen können. Offenbar ermöglicht Tiktok den Zugriff auch Beamten des kommunistischen Staates. Das heizt die Kritik an den Praktiken der Social-Video-App weiter an.

Das Eingeständnis des Unternehmens im Besitz der chinesischen ByteDance Ltd.,, erfolgte in einem Brief an neun US-Senator*innen, die Tiktok und seine Muttergesellschaft der Überwachung von US-Bürgern beschuldigten und Antworten verlangten. Dem vorausgegangen war eine Recherche des Online-Portals "Buzzfeed News".

Tiktok-Chef Shou Zi Chew hat nun zumindest indirekt die Anfrage der US-Senator*innen bestätigt. Demnach können Mitarbeitende auch außerhalb der USA – zum Beispiel aus China – "vorbehaltlich einer Reihe von robusten Cybersicherheitskontrollen und Genehmigungsprotokollen, die von unserem in den USA ansässigen Sicherheitsteam überwacht werden" Daten von Tiktoker*innen einsehen.

Trump genehmigte Tiktok-Server in den USA

TikTok setze aber seinen Kurs fort, allen US-Bedenken entgegenzukommen und die Daten von US-Nutzenden von eigenen Systemen löschen und in Kürze nur noch in den Servern der Oracle Cloud auf US-amerikanischen Boden speichern und verarbeiten werde, heißt es vom Unternehmen weiter.

"Chinesische Behörden haben trotzdem noch weiter Zugriff auf US-amerikanische Nutzerdaten."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat erklärt, dass der chinesische Dienst diese sogenannte Oracle-Lösung 2020 eingeführt habe, um ein mögliches Verbot von Tiktok unter dem damaligen Präsidenten Trump abzuwenden.

Ein Teil der Daten – wie etwa personenbezogene Daten der Accountinhaber*innen – werden in den Vereinigten Staaten als kritisch eingestuft. China hat aber weiterhin Zugriff auf sogenannte "nicht-sensitive" Daten der Nutzer*innen in den USA. Damit gemeint sind öffentlich gepostete Videos und Kommentare.

Tiktok widerspricht Vorwürfen

Brendan Carr ist Federal-Communications-Commission-Commisioner (Anmerkung: Er arbeitet bei der "Bundeskommunikationskommission", die in den USA die Kommunikationswege Rundfunk, Satellit und Kabel regelt) und sagt, dass Tiktok wahrscheinlich eine Menge Daten sammeln könnte. Dazu gehören Such- und Surfverlauf, biometrische Gesichts- und Stimmdaten, Tastenanschlagsmuster, Ortsinformationen und Nachrichten-Entwürfe.

Der amerikanische Vize-Tiktok-Chef Michael Beckermann widerspricht dem. Die gesammelten Daten bei Tiktok hätten keine Bedeutung für die Nationale Sicherheit – weil es eine Entertainment-App sei.