Der Aktivist Tobi Rosswog wünscht sich eine Welt, in der Kooperation vor Konkurrenz steht und hat deswegen zwei Jahre ganz ohne Geld gelebt.

Tobi Rosswog will zeigen, dass es auch möglich ist, ohne Geld zu leben. Das Ganze begann 2013 mit der Idee, die er dann innerhalb einer Woche in die Tat umsetzte. Er verschenkte das Geld, das er bis dahin noch besaß und machte sich auf die Reise.

Meine Vorstellung ist, dass heute nicht alle von jetzt auf gleich geldfrei werden, aber vielleicht geldfreier.
Tobi Rosswog hat zweieinhalb Jahre ohne Geld gelebt

Sein Konzept: Er ernährt sich von dem, was andere wegschmeißen. Jede Supermarktfiliale schmeißt etwa 45 Kilogramm Essen pro Tag in den Müll. Tobi sagt: „Es war mir eine Freude, die zu retten.“ Er hat dann mit Supermarktfilialen kooperiert, das Essen abgeholt und auch noch weiterverteilt, weil er allein natürlich gar nicht so viel brauchte.

Kein Verzicht

Da er die ganze Zeit unterwegs war, vor allem zu Vorträgen, hat er immer bei irgendwelchen Menschen im Gästezimmer, im Hotel oder auf Sofas gepennt. Er möchte nicht von Verzicht sprechen, vor allem weil der Sprung ins Leben ohne Geld für ihn nicht besonders groß war. Tobi Rosswog hatte auch vorher schon sehr sparsam und reduziert gelebt, also ohne Smartphone und großen Luxus.

"Er meinte: Ich so eher der Kapitalist. Und Du so eher das arme Schwein."
Tobi Rosswog hat zweieinhalb Jahre ohne Geld gelebt

Der Großteil der Menschen, denen er während seines Projekts begegnet ist, fanden die Idee gut bis interessant oder waren zumindest sehr aufgeschlossen. Tobi erinnert sich an einen Porsche-Fahrer, der ihn in seinem Cayenne beim Trampen mitgenommen hatte. Beide erkannten ziemlich schnell, dass sie sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben. Im Laufe des Gesprächs realisierte der Porschefahrer allerdings mehr und mehr, dass er vor langer Zeit, vermutlich in der Kindheit, auch mal dieselben Ideale wie Tobi gehabt hatte.

"Wir vergessen oft als sehr rational abwägende Spießbürger*innen – und dazu zähle ich mich auch – die einfachste Möglichkeit und zwar den Nicht-Konsum.
Tobi Rosswog hat zweieinhalb Jahre ohne Geld gelebt

Wir sollten mehr Dinge leihen oder uns überlegen, wie wir sie ohne Geld bekommen, rät Tobi. Sein Anliegen ist auch nicht das Tauschen, sondern eher das Denken für eine Gemeinschaft: teilen und schenken - ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Tobi Rosswog gründete in seiner geldfreien Zeit das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia. Alle Projekte werden geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch durchgeführt.