In Berlin gibt es Streit über die öffentlichen Toiletten vor dem neuen Bundestagsbesucherzentrum. Wir haben uns gefragt: Wie müssten öffentliche Toiletten denn aussehen, dass sie für alle zugänglich und gleichzeitig keine hässlichen Orte sind?

Vor das geplante Besucherzentrum des Bundestags sollen öffentliche Toiletten gebaut werden – oder besser gesagt: sollten. Sieht aber doch irgendwie blöd aus, wenn das Erste, was die Besucher sehen, so ein Toilettenhaus ist, findet das Baukollegium, das die Berliner Landesregierung berät. Sollte man also irgendwie anders machen.

Klohaus an repräsentativem Ort

Im Fall des Bundestagsbesucherzentrums ist eine sehr flächige und schlicht daherkommende dunkelgraue Metallkonstruktion geplant.

Es sei gar nicht so das Problem, wie die Architektur des Toilettengebäudes aussieht, sagt Bettina Möllring, Professorin für Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Toiletten seien aber eben per se negativ konnotiert.

"Toiletten sind negativ konnotiert – wir verbinden sie mit Scham, das ist uns peinlich. Diese Gedanken übertragen wir sozusagen auf den Ort."
Bettina Möllring, Industriedesigner an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel

Eigentlich müsste "in unserer Birne mal was passieren", sagt die Designerin. Denn wo ist das Problem, fragt sie. Eigentlich sei es doch gut, wenn Toiletten gut aussehen und gut zugänglich sind. Das sei nämlich durchaus möglich: Öffentliche Toiletten, die ansprechend designt sind, ihre Funktion erfüllen und sauber sind.

Drei Dinge seien bei einer öffentlichen Toilette wichtig, sagt Bettina Möllring:

  1. Sie muss ein sicherer Ort sein, insbesondere für Frauen, aber auch für Männer
  2. Sie muss sauber sein
  3. Sie muss für alle Menschen zugänglich sein
"Wir brauchen ein neues Objekt – wir brauchen ein Urinal für Frauen im öffentlichen Raum."
Bettina Möllring, Industriedesigner an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel

Damit auch Frauen im öffentlichen Bereich die Toilette benutzen können und nicht auf die oft unhygienischen Sitztoiletten angewiesen sind, brauche es zudem ein Urinal für Frauen.

Architektur verändert "Klo-Mindset" offenbar nicht

Dass in den Eingangsbereich des Bundestags-Besucherzentrums Toiletten gehören, stehe außer Frage, sagt Möllring. Das sei ein absolut wichtiger und guter Ansatz. Dass man eine eigentlich bereits abgeschlossene Planung jetzt offensichtlich wieder neu aufmacht, sei natürlich unschön – aber alles andere als ein neues Phänomen, erzählt sie.

"Den Disput, den die wegen der Toiletten da jetzt in Berlin haben, der ist schon mindestens hundert Jahre alt, eher sogar 150 Jahre."
Bettina Möllring, Industriedesigner an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel

Seit der Einführung der Kanalisation und der Wasserversorgung vor weit über 100 Jahren habe es immer wieder Probleme bei der Beantwortung der Frage gegeben, wo man die verpönten Toiletten hinbaut.

Kein Geld für Toiletten

Häufig gibt es schlicht und ergreifend zu wenig Toiletten im öffentlichen Raum, vor allen Dingen für Frauen. Würde man mehr davon aufstellen, wären die einzelnen auch nicht so krass frequentiert und dementsprechend sauberer.

"Es gibt zu wenig Toiletten, weil nicht genügend Geld dafür da ist."
Bettina Möllring, Industriedesigner an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel

Das Problem: Für öffentliche Toiletten werde einfach zu wenig Geld ausgegeben bzw. eingeplant, sagt Bettina Möllring. In Autobahnen und andere Infrastrukturprojekte werde bedeutend mehr investiert . Doch müssen zu müssen sei ein Bedürfnis, dass man nicht einfach mal eben unterdrücken kann.

Kostenlose, saubere Klos in Japan

Dieses Bedürfnis zu finanzieren, müsste besser gelingen. Zumal öffentliche Toiletten in der Regel auch noch Geld kosten. In Japan, so die Industriedesignerin, sehe die Welt dahingehend völlig anders aus. Die Menschen dort hätten eine andere Körperkultur – sauber sein sei äußerst wichtig. Wer durch Japan reise, finde dort überall gut versorgte, saubere Toiletten, die nichts kosten.