Das war keine normale Radtour: Christian Küsters ist in diesem Frühjahr von Deutschland nach Griechenland gefahren. Auf der Balkanroute, die kurz vorher geschlossen worden war. Flüchtlinge hat er trotzdem getroffen - denn wer es sich leisten kann, schafft es trotzdem nach Zentraleuropa, erklärt Christian.

Eigentlich wollte Christian Küsters eine zweimonatige Radtour mit Freunden machen. Aber als die Freunde nicht mitfahren konnten, beschloss Christian, einfach alleine los zu fahren. Im März und April 2016 fuhr er mit dem Rad über die Balkanroute bis nach Athen. Also genau entlang der Route, über die zuvor viele Flüchtlinge gekommen waren. Allerdings waren kurz vor seiner Reise die Grenzen für Flüchtlinge geschlossen worden.

Leere Grenzübergänge

"Als ich die Grenzen überquert habe, waren da keine Menschen mehr. Ich habe mit Grenzpolizisten gesprochen, die mir gesagt haben, dass einfach niemand mehr ankommt. Die Polizisten sitzen da und drehen Däumchen", erzählt Christian. Allerdings: Trotzdem würden es noch Flüchtlinge über die Balkanroute nach Zentraleuropa schaffen. Nur sind sie nicht so sichtbar, weil sie nicht über die offiziellen Grenzen fliehen.

"Die Menschen, die es sich leisten können, finden alternative Wege. Mit Schleppern. Zu Fuß über die Grenze, durch die Wälder. Die stärksten, die gesunden, wohlhabenderen Menschen schaffen es nach Zentraleuropa."

"Erst in Belgrad habe ich Geflüchtete getroffen", sagt Christian. Auf seiner Reise kam er auch durch das mittlerweile geschlossene Flüchtlingslager Idomeni an Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Für ihn war das der krasseste Punkt der Reise. "Ich habe in Entwicklungsländern gelebt, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen - in der EU."