Samantha ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Tourismuskauffrau, als die Corona-Krise die Reisebranche zum Erliegen bringt. Wie es weitergeht, weiß die 21-Jährige nicht. Doch sie will ihrem Beruf unbedingt treu bleiben.

Samanthas Alltag als Azubi in einem Reisebüro sieht gerade so aus: Sie teilt Kunden mit, dass deren Reise storniert wurde, und wenn diese ihr Geld noch nicht zurückbekommen haben, telefoniert sich mit Reiseveranstaltern, um das zu klären.

"Wir können in der jetzigen Situation nicht viel machen."
Samantha Saddo

Eigentlich sollte die 21-Jährige gerade besonders viel Erfahrung im Bereich der Kundenberatung sammeln und Kunden zum Beispiel Reiserouten vorschlagen, oder besonderen Wünschen nachgehen. Das geht jetzt aber natürlich nicht, weil reisen gerade kaum möglich ist.

"Es ist so, dass wir nicht mehr unserer Arbeit nachgehen können", merkt Samantha an. "Wir können halt nichts machen, wir machen jeden Tag die gleiche Arbeit und wir verdienen auch wirklich kein Geld."

"Natürlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, Reisen zu verkaufen", sagt die Auszubildende. Das werde wohl erstmal auch so bleiben – auch wenn sich die Corona-Situation ein bisschen beruhige und man wieder verreisen darf. "Es werden trotzdem sehr viele Leute zögern zu reisen, weil sie natürlich Angst haben." Das findet sie aber verständlich.

Corona und die Reisebranche

Die Reisebranche ist neben der Gastronomie von der Corona-Krise am schwersten betroffen. Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt noch mindestens bis zum 14. Juni. Touristische Hotelübernachtungen, Großveranstaltungen wie Messen und auch Busreisen sind bis auf weiteres verboten. Laut eines ARD-Deutschlandtrends verzichten wegen der Corona-Krise etwa 35 Prozent der Menschen in Deutschland auf eine Urlaubsreise, ein weiteres Drittel verreist sowieso nicht.

Der Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft warnt deswegen vor Massenarbeitslosigkeit in der Reisebranche. Laut einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung haben bereits 90 Prozent der Tourismus-Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Mehrere Reiseunternehmen, unter anderem der Branchen-Riese TUI, erhalten inzwischen Unterstützung vom Staat.

Einen kleinen Lichtblick gibt es inzwischen: Wie es jetzt aussieht (Stand Mitte Mai), wird Urlaub in Deutschland bald möglich sein: Mehrere Bundesländer erlauben schon ab Mai wieder touristische Übernachtungsmöglichkeiten. Die Grenzen bleiben aber erstmal weiter zu.

"Man muss gucken, wie man über die Runden kommt."
Samantha Saddo

Der Beruf der Tourismuskauffrau bleibt trotz allem Samanthas Traumjob. Deswegen schaut sie sich nicht nach Alternativen um, sondern hält an der Ausbildung fest. Die 21-Jährige ist sich auch sicher, dass sie die Erfahrung, die ihr jetzt genommen wird, aufholen kann, sobald wieder einigermaßen Normalität einkehrt. "Die Branche wird nicht aussterben", glaubt Samantha.