Wer einen Menschen verliert, erlebt meist Mitgefühl von Außenstehenden. Und wenn Katze oder Kaninchen stirbt? Dann fühlen sich Trauernde oft unverstanden, manchmal sogar belächelt. Aber der Tod eines Haustiers kann für Betroffene genauso schlimm sein.

Daniel aus Saarbrücken hat es selbst erlebt. Mehrfach. Da war Lukas, der Familienhund. Mit 16 Jahren ging es ihm so schlecht, dass er eingeschläfert werden musste. "Wir waren alle am Heulen", erinnert Daniel sich, "es waren einfach 16 Jahre, die in diesem Moment an uns vorbeigezogen sind, und dieses Tier war weg".

"Was der Verlust von diesem Tier emotional in mir alles ausgelöst hat, das hätte ich so nicht erwartet."
Daniel, hat mehrere Haustiere verloren

Und dann war da Balu. Der weiße Kater lebte nur ein dreiviertel Jahr bei ihm. Aber Zeit sagt nichts über die Tiefe einer Bindung aus. Und auch, ob die Bindung zu einem Tier oder einem Menschen besteht, spielt dafür keine Rolle. Wenn Daniel von Balu erzählt, hört man noch immer die Tränen in seiner Stimme.

Daniel kuschelt mit seinem weißen Kater Balu
© privat
Kater Balu war immer in Daniels Nähe.
"Balu ist jetzt seit über drei Jahren tot. Ich hatte ihn ein dreiviertel Jahr und denke trotzdem noch jeden Tag an ihn. Warum? Weil dieses kleine Tier mir einfach das Herz geklaut hat."
Daniel, hat mehrere Haustiere beim Sterben begleitet

Das ist total verständlich und normal, sagt Sonja Störmer. Sie ist Trauerbegleiterin und hat sich auf Menschen spezialisiert, die um ihre Tiere trauern. Die Liebe ist ja genauso da wie vorher, erklärt sie, "sie stellt sich ja nicht einfach aus". Auch die Forschung zeigt, dass Trauer um Haustiere stark belastet und klinisch ernst genommen werden sollte.

Die Trauer um ein Haustier wird oft nicht ernst genommen

Was Sonja Störmer aber bei ihrer Arbeit immer wieder begegnet: Dass Menschen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld der Trauernden überhaupt kein Verständnis für die tiefe Trauer der Betroffenen haben. Im schlimmsten Fall werden die Trauernden belächelt oder richtig ins Lächerliche gezogen, erzählt sie.

"Das ist für die Betroffenen extrem belastend und stellt eigentlich einen zusätzlichen Schmerz dar zu dem, den sie ja sowieso schon haben durch den Verlust."
Sonja Störmer, Trauerbegleiterin

Die Folge: Viele Menschen, deren Haustier verstorben ist, führen eine Art Doppelleben, sagt die Trauerbegleiterin: Zu Hause trauern sie, draußen meistern sie unauffällig ihren Alltag. "Morgens musst du dann zur Arbeit fahren und da performen, als wäre nichts, weil du da irgendwie mit niemandem drüber sprechen kannst", beschreibt sie die Situation.

Dabei macht es für Mitgefühl von außen offenbar auch einen Unterschied, um was für ein Tier es sich handelt. Wer um einen Hund trauert, könne mit mehr Verständnis rechnen als jemand, der etwa ein Meerschwein beweint.

Portrait der Trauerbegleiterin Sonja Störmer
© Magdalena Mosler
Die Trauerbegleiterin Sonja Störmer hat sich auf Menschen spezialisiert, die um ihre Tiere trauern.

Trauer-Hierarchie nennt die Trauerbegleiterin dieses Phänomen. Für das Ausmaß der Trauer sei es aber egal, ob es sich um einen Menschen, ein großes Tier oder kleines Tier handelt – die Bindung ist eben entscheidend.

"Wenn ich zu einem Tier eine sehr, sehr tiefe Bindung habe, dann ist natürlich die Liebe und auch die Trauer dementsprechend riesig."
Sonja Störmer, Trauerbegleiterin

Zudem ändere sich mit dem Tod auch der ganze Alltag. Das spürte auch Daniel – und spürt es bis heute: "Balu war immer da. Er kam immer zum Kuscheln, er wollte immer zu mir. Er hat immer mit mir unter der Decke im Bett geschlafen." Balu war eben dauernd um ihn und hat ihm Nähe geschenkt.

"Dieses Tier, das dir so viel Liebe, so viel Aufmerksamkeit gibt, egal was du bist, egal wer du bist, egal wie du aussiehst, egal was du machst… und plötzlich ist es weg."
Daniel, hat mehrere Haustiere beim Sterben begleitet

Gerade Menschen, die selbst keine Haustiere haben oder keine enge Bindung zu ihnen, fällt es oft schwer, sich in die Trauernden hineinzuversetzen. Sonja hat einen einfachen Rat, der im Grunde pauschal gilt: "Wenn dir jemand erzählt, ich habe ein Haustier verloren, gehe erst mal davon aus, dass es der Person scheiße geht und dass das ein richtig herber Verlust ist."

Sein Tier beim Sterben zu begleiten, hilft beim Trauern

Den Halter*innen selbst gibt sie den Tipp: Wenn möglich, begleitet euer Tier wirklich beim Sterben, etwa wenn es eingeschläfert wird. Bleibt, wenn ihr könnt, bis zum allerletzten Moment dabei. Denn vielen Menschen helfe es beim Trauern zu wissen, dass sie bis zum Ende für ihr Tier da waren.

Außerdem rät sie Betroffenen:

  • ... sich die Trauer selbst auch zuzugestehen.
  • ... sich jemanden zu suchen, mit dem sie sich darüber austauschen können und der verständnisvoll ist.
  • ... Erinnerungsstücke aufzuheben – etwa das Halsband oder das Lieblingsspielzeug des Tiers.
  • ... sich eine kleine Ecke einzurichten, wo zum Beispiel die Urne steht, ein Foto oder auch ein Pfotenabdruck.
  • ... und Selbstfürsorge zu betreiben. Denn: Trauer ist anstrengend!

Daniel hatte übrigens Glück: In seinem Umfeld waren alle total verständnisvoll, auch auf der Arbeit, erzählt er dankbar.

Shownotes
(Fehlendes) Mitgefühl
Trauern um Haustiere: Schenkt Betroffenen Verständnis!
vom 09. September 2026
Autorin: 
Krissy Mockenhaupt