Wie viel Trinkgeld wir geben, hängt nicht allein davon ab, wie freundlich die Bedienung oder wie gut das Essen war. Andere Faktoren sind oft wichtiger - vor allem, wenn wir in der Gruppe unterwegs sind. Dem Thema haben sich jetzt Forscher der Uni Frankfurt gewidmet.

20 Prozent, 10 Prozent oder gar nix, wenn das Essen nicht geschmeckt hat? Trinkgeld geben ist nicht immer einfach. Wirtschaftssoziologen von der Uni Frankfurt wollten mal wissen, warum wir wie viel Trinkgeld geben - und haben dazu Gäste aus Cafés, Bar und Restaurants befragt, aber auch die Kellner.

Viele geben 5 bis 10 Prozent Trinkgeld

In der Studie wurden die Gäste danach gefragt, was für sie entscheidend ist, wenn sie Trinkgeld geben. Dabei kam heraus, das weniger die Qualität des Essens eine Rolle spielt. Wichtig hingegen ist, wie viel Trinkgeld andere geben. Wer großzügig wirken möchte, für den zählt am Ende nicht ein bestimmter Prozentsatz - etwa 10 oder 20 Prozent - sondern es geht einfach nur darum, mehr als die anderen in der Gruppe zu geben. Nach eigenen Angaben lassen die Befragten den Kellnern und Kellnerinnen etwa 5 bis 10 Prozent Trinkgeld.

Es gibt auch bestimmte Situationen, die Einfluss auf die Höhe des Trinkgelds nehmen - vermutlich, weil wir uns in besonders gutem Licht darstellen wollen - nämlich beim ersten Date. Da geben wir tendenziell ein bisschen mehr.

"Ist ja irgendwie naheliegend - du willst ja nicht gleich als Geizhals rüberkommen beim ersten Date. Also gibt’s dann tendenziell etwas mehr als sonst."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Der Wirtschaftssoziologe Christian Stegbauer hat noch einen anderen Effekt festgestellt, wenn wir in einer Gruppe unterwegs sind: Wenn in einer Runde ein Großteil nur wenig oder sogar kein Trinkgeld gibt, dann fühlen sich manche verpflichtet, das am Ende auszugleichen und legen etwas mehr Kohle auf den Tisch.

"Man möchte dann nicht in einem schlechten Licht dastehen und versucht dann das falsche Verhalten von den anderen auszubessern, in dem man extra viel gibt."
Christian Stegbauer, Professor für Wirtschaftssoziologie an der Uni Frankfurt

Die Wissenschaftler haben aber nicht nur die Gäste, sondern auch Kellner und Kellnerinnen befragt. Dabei ging es unter anderem um deren Erwartungen. Sie sagen, es hänge stark davon ab, welche Gästen sie bedienen. Zum Beispiel erwarten sie von Kunden, die danach aussehen, als hätten sie selber nicht so viel Geld, weniger als von Gästen, die den Anschein machen, dass sie ganz gut betucht sind. Auch bei Stammgästen sei die Erwartungshaltung nicht besonders hoch, denn immerhin lassen die ja sowieso viel Geld im Café oder Restaurant.

Manchen sehen Kellnerinnen es an, dass sie wenig geben

In unserer Abendsendung Ab 21 haben wir vor einiger Zeit mit Maria gesprochen. Die ist Kellnerin in einer Jazzkneipe in Berlin und sagt ganz klar, dass für sie beim Trinkgeld die Schmerzgrenze bei 8 Prozent liegt. 

In Marias Jazzkneipe in Berlin sind häufig Touristen unterwegs. Ihre Beobachtung ist, dass die im Schnitt weniger zahlen als die Berliner Gäste. Besonders Spanier, Franzosen und Italiener seien geizig. Manchmal seien das aber auch die Leute, die eigentlich genug Geld haben müssten.

Maria, Kellnerin in Berlin
"Was oft passiert: Die Chefs oder reichere Freunde laden ein und zahlen die gesamte Rechnung mit Karte. Vor ihren Freunden sind sie die ganz großzügigen, aber das Trinkgeld bleibt auf der Strecke."

Um ihrem Ärger Luft zu machen, lästern die Servicekräfte dann auch durchaus mal mit ihren Kollegen über die knausrigen Gäste, das macht Maria so und auch die Kellner aus der Studie.

Es gibt allerdings auch weniger solidarische Mitarbeiter: Eine Kellnerin hat in der Befragung gesagt, dass sie die Gäste, bei denen sie schon vorher weiß "Ach, die geben immer wenig Trinkgeld", extra an die Tische setzt, für die ihre Kollegin zuständig ist. So, dass dann die Kollegin das geringe Trinkgeld abbekommt, und sie auf mehr hoffen kann.

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