In der libanesischen Stadt Tripoli kämpften vor einigen Jahren Alawiten gegen Sunniten. Die Alawiten unterstützten den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, die Sunniten die syrische Opposition. Heute renovieren Männer beider Religionsgemeinschaften gemeinsam das, was sie einst zerstört haben. 

Die Stadt Tripoli ist nicht weit von der syrischen Grenze entfernt. Die Hauswände sind voller Einschusslöcher, an jeder zweiten Straßenecke stehen immer noch die Panzer, aber es wird nicht mehr geschossen. Die libanesische Armee hat vor drei Jahren die Kontrolle übernommen. Aber die Waffenruhe gilt als fragil. 

"Die Leute vertrauen zwar darauf, dass die Präsenz der Armee neue Kämpfe verhindert. Aber für eine echte Versöhnung fehlt noch viel."
Konfliktforscher Bilal al-Ayoubi über die Situation nach dem Krieg in Tripoli

Ahmed ist 32 Jahre alt. Er wohnt bei seinen Eltern. Vor ein paar Jahren lag er noch mit einer Kalaschnikow auf dem Balkon und hat auf Menschen aus dem anderen Stadtviertel geschossen. Heute hält er einen Spachtel in der Hand und verputzt einen Brunnen. 

"Ich bin froh zu arbeiten. Die Leute von der NGO kamen und fragten, wer arbeiten möchte. Sie haben keinen abgelehnt."

Die Syria Street steht symbolisch für die Kämpfe; sie war die Frontlinie, weil sie das sunnitische Stadtviertel Bab al Tabbaneh und das alawitische Stadtviertel Jabal Mohsen voneinander trennte. Ahmed kommt aus Bab al Tabbaneh und erzählt, dass er früher in Jabal Mohsen Freunde hatte. Ali zum Beispiel. 

Ahmed und ich haben uns in einem Café wieder getroffen. Ich habe mal auf ihn geschossen.
Ali aus Jabal Mohsen
Er wollte mich umbringen. (lacht)
Ahmed aus Bab al Tabbaneh
Ich mache keinen Spaß. Ich habe ihn aber nicht getroffen.
Ali aus Jabal Mohsen
Wir sind uns durch die NGO wieder begegnet.
Ahmed aus Bab al Tabbaneh

Dieser Dialog spielt sich in einem Café ab, das von der libanesischen Nichtregierungsorganisation March betrieben wird. Es ist die NGO, die auch das Renovierungsprojekt initiiert hat. Hier erzählen Ali und Ahmed von Granaten und Waffenschmuggel. Neben ihnen steht ein junger Mann mit leerem Blick, der seinen Bruder verloren hat. Ein anderer hat das Gesicht seines besten Freundes auf den Arm tätowiert, der ebenfalls bei den Kämpfen starb.