Eine neue Recherche der New York Times hat aufgedeckt, wie sich praktisch jede und jeder von uns - in Echtzeit und ohne dass wir etwas davon merken - über unser Smartphone tracken lässt. Sogar der Präsident der Vereinigten Staaten.

Wenn wir etwa Google Maps oder eine Wetterapp nutzen, der wir Zugriff auf unseren Standort gegeben haben, werden diese Orts-Daten kontinuierlich - und ohne, dass wir etwas davon mitbekommen - an App-Entwickler oder Hard- und Softwarehersteller gesendet.

Von einer anonymen Quelle ist der New York Times ein brisanter Datensatz zugespielt worden: über 50 Milliarden solche Geo-Locations aus den Jahren 2016 und 2017, Ortsdaten-Aufzeichnungen von 12 Millionen amerikanischen Smartphone-Nutzern. In ziemlich schockierenden Details hat die NYT aufgezeigt, was man damit anstellen kann.

Auf den Spuren von Donald Trump

In der Datenmasse der 50 Milliarden Ortsdaten haben sich die NYT-Reporter die Geo-Locations bestimmter Trump-spezifischer Orte angeschaut - also Orte, die bekannterweise regelmäßig von ihm aufgesucht werden, zum Beispiel sein Hotel in Mar-a-Lago, der dazugehörige Golfplatz und das dazugehörige Restaurant. Anhand dieser Geodaten konnten die Reporter relativ leicht einen von Trumps Personenschützern identifizieren.

"Die Reporter der NYT haben sich virtuell an die Fersen eines von Trumps Bodyguards gehängt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Smartphone dieses Secret-Service-Agenten haben sie dann getrackt. Die Daten haben sie mit weiteren öffentlich verfügbaren Informationen verglichen, etwa der Info, wann der US-Präsident mit wem in seinem Anwesen gegessen hat. Und so konnte die NYT die Wege von Donald Trump genau nachvollziehen - zum Beispiel genau sehen, wann er Japans Premierminister Shinzō Abe auf seinem Anwesen bewirtete. Das war aber noch nicht alles.

Persönliche Informationen

Die Journalisten konnten mit den Geodaten des Secret-Service-Agenten auch weitere persönliche Informationen über den Mann herausbekommen:

  • seinen Namen
  • seinen Wohnort
  • mit wem er verwandt ist

Auf die gleiche Art und Weise konnten sie zudem weitere hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung, des Pentagon, der CIA und des FBI identifizieren. Außerdem auch Angestellte militärischer Einrichtungen oder von Atomkraftwerken. Auch hier gelang es der NYT, an Namen, Hobbies oder auch Informationen zu persönlichen Beziehungen zu kommen.

Datenmissbrauch droht

Wie das Blog futurezone schreibt, könnten diese Infos missbraucht werden, um Personen zu erpressen - Stichwort „außereheliche Affäre“. Außerdem könnten sie auch verwendet werden, um Phishing-Attacken bei diesen Personen zu starten und etwa deren Internet-Accounts zu übernehmen.

Dass unsere Smartphones ständig Ortsdaten kommunizieren, weiß natürlich auch die CIA. Deswegen sind private Telefone innerhalb des CIA-Gebäudes verboten – aber eben nicht vor dem Gebäude. Der Datensatz der NYT enthält auch Geo-Locations vom CIA-Parkplatz. Der Fall zeigt erneut, wie problematisch es ist, dass wir alle auf Schritt und Tritt getrackt werden.

E-Privacy-Verordnung der EU gescheitert

Auch in Deutschland hat der Bundesdatenschutzbeauftrage bereits vor Monaten genau davor gewarnt. Er hat darauf hingewiesen, dass das Tracking mithilfe der neuen E-Privacy-Verordnung der EU eigentlich abgestellt werden sollte.

"Manche Länder hatten Angst, dass eine zu strenge Regelung den werbetreibenden Unternehmen und der Datenindustrie schaden könnte. Ob unsere Privatsphäre ausgespäht wird, scheint im Vergleich nicht so wichtig zu sein."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Doch das Gesetzesvorhaben ist gerade krachend gescheitert, weil die EU-Staaten sich nicht darauf einigen konnten, wie das Nutzer-Tracking und das Setzen von Cookies für Werbezwecke geregelt werden soll.