In der Silvesternacht 2017 erschoss ein Attentäter mindestens 39 Menschen in dem Istanbuler Nachtclub "Reina". Fast 70 weitere Personen werden in Krankenhäusern behandelt.

Das neue Jahr war knapp eine Stunde alt, als ein Attentäter auf die Feiernden in dem auch unter Touristen beliebten Nachtclub "Reina" in Istanbul schoss. Bislang sind 39 Menschen an den Folgen gestorben, darunter befinden sich nach Angaben des türkischen Innenministers Süleyman Söylu mindestens 15 Ausländer. Bei den Ausländern soll es sich um Nordafrikaner und Menschen aus dem Nahen Osten handeln.

Etwa 70 weitere Personen sind verletzt. Der Innenminister räumt ein, dass es Warnungen vor Anschlägen in der Silvesternacht gegeben hätte, berichtet der Korrespondent Christian Buttkereit. Noch am Vorabend wurden in Ankara acht mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen, die vermutlich Anschläge in der Türkei planten.

Süleyman Söylu, Innenminister Türkei
"Hinweise auf mögliche Terroranschläge erhalten wir auch von einheimischen und ausländischen Nachrichtendiensten beispielsweise für Istanbul und Ankara. Insbesondere in den Tagen vor Neujahr hat die Polizei diesbezügliche eine Reihe von Razzien vorgenommen und die Sicherheit verschärft. Solcherlei Hinweise erhalten wir ständig."

Der Attentäter trug eine Nikolausmütze, wie sie traditionell zur Silvesterverkleidung in der Türkei gehört. Am Eingang des Clubs schoss er auf einen Polizisten und einen Türsteher. Danach habe er das Gebäude gestürmt, gibt der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahin bekannt. In dem Club befanden sich zwischen 500 und 800 Menschen, er ist einer der größten und teuersten in der Stadt. Der Club befindet sich im Norden der Istanbuler Innenstadt in dem Ausgehviertel Ortaköy auf der europäischen Seite der Metropole und ist bei der Istanbuler Oberschicht sehr beliebt. Einige Gäste hätte sich auf der Flucht vor dem Attentäter in den nahegelegenen Bosporus gestürzt.

Dilek Apturahman lebt in Istanbul
"Feiern ist nicht mehr so einfach, weil man sich nirgends mehr sicher fühlen kann. Wir gehen kaum in Clubs, sondern feiern nur noch zu Hause."

Die 29-jährige Dilek Apturahman ist in Deutschland geboren, hat türkische Wurzeln und lebt seit zehn Jahren in Istanbul. Sie kennt den Nachtclub "Reina" und war dort schon oft feiern. Zwar habe sie aufgrund der Anschläge in den vergangenen Monaten in der Türkei mit einem Anschlag gerechnet: "Aber nie im 'Reina', das ist einer der sichersten Clubs".

Kein unbeschwertes Feiern mehr

Dilek ist noch schockiert von den Ereignissen. Den Anschlag auf die Besiktas Vodafone Arena in Istanbul am 10. Dezember 2016 hat sie in nur 300 bis 400 Meter Entfernung erlebt. Die Anschläge scheinen langsam zum Alltag zu gehören, so dass Delik auch schon darüber nachgedacht hat, nach Deutschland zurückzugehen. Doch nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 fragt sie sich: "Wo sind wir überhaupt noch sicher?"

Das Attentat erinnert an die Anschläge in Paris am 13. November 2015. Die Täter stürmten dort die Konzerthalle "Bataclan" und schossen wild in die Besuchermenge. Der Nachtclub in Istanbul war wie die Ziele in Paris wieder ein Ort, wo die Menschen Spaß haben, feiern und Alkohol trinken. Die Attentäter von Paris bekannten sich zum sogenannten Isalmischen Staat.

In der Silvesternacht waren 17.000 Polizeikräfte im Einsatz, um für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen. Nach Agenturmeldungen sei die Polizei schnell am Tatort eingetroffen. Trotzdem konnte der Attentäter fliehen. Zu dem Angriff hat sich bisher keine Organisation bekannt. Der Tatort ist noch weiträumig abgesperrt.

"Der größte Wunsch der Bürger zum Jahreswechsel war, es wurde in den sozialen Medien sehr deutlich, dass diese Anschläge aufhören, dass Frieden und Sicherheit einkehren, auf dass sich das Land 2017 endlich wieder den wesentlichen Dingen wie Arbeit und Produktivität zuwenden kann. Aber der Terrorismus setzt es fort, auf niederträchtige Weise Menschen zu töten."
Hakan Çelik von der Zeitung Hürriyet

In ersten Erklärungen haben US-Präsident Barack Obama, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und das Auswärtige Amt in Berlin ihre Trauer ausgedrückt.