In der Premier League ist es schon soweit: Die Hälfte der Fußballclubs ist nicht mehr auf Ticketeinnahmen angewiesen. Ist der Fußballfan im Stadion ein Auslaufmodell?

Die BBC hat recherchiert, dass die Hälfte der Fußballvereine der britischen Premier League gut ohne Ticketeinnahmen überleben könnte. Diesen Clubs reichen die Einnahmen, die durch TV-Lizenzen in ihre Kassen kommen. 

2012 waren es erst zwei Vereine aus der Premier League, die mit den TV-Einnahmen überleben könnten. Innerhalb von sechs Jahren ist die Zahl auf mehr als die Hälfte der insgesamt 20 Premier-League-Clubs angestiegen. Das bedeutet, diese Fußballvereine könnten Matches auch vor leeren Tribünen austragen und trotzdem die Saison mit einem Plus in den Kassen abschließen. 

Dass Fußballfans zuhause keine Spiele vor leeren Stadien sehen wollen würden, ist allerdings auch offensichtlich.

"Die Premier League hat in der Saison 2016/2017 2,75 Milliarden Euro bekommen auf 20 Vereine. Die Bundesliga im Vergleich dazu nur 1,2 Milliarden."
Max-Jacob Ost, Podcaster

In der Premier League ist die Verteilung der Gelder gerechter geregelt als in der Bundesliga. Selbst der letzte Club in der Tabelle - der Absteiger nimmt durch TV-Einnahmen mehr Geld ein als Bayer München. 

Ticketeinnahmen wichtig für die Bundesliga

Bei den Spieltags-Einnahmen ist man in der Bundesliga wahrscheinlich bei 15 Prozent, schätzt Max-Jakob Ost vom Podcast Rasenfunk. Genaue Daten erhält er von den Bundesliga-Vereinen nicht, deswegen kann er das nur grob schätzen. Er glaubt, dass in der Bundesliga noch kein Verein soweit ist, dass er komplett auf die Ticketeinnahmen verzichten könnte. 

"Das eigentliche Potenzial liegt nur noch beim TV-Zuschauer und beim Merchandise."
Max-Jacob Ost, Podcaster Rasenfunk

Der Trend ist deutlich erkennbar, sagt Podcaster Max-Jakob Ost. "Da wo die Vereine neue Einnahmen generieren, hat das nichts mehr mit den Stadien zu tun". Außer die Vereine bauen sich ein neues Stadion - beispielsweise mit mehr VIP-Logen.

"Die Entscheidungen im Fußball marginalisieren den Zuschauer immer mehr, obwohl er gleichzeitig fürs Produkt wichtig ist. Ein Geisterspiel wäre weniger gut vermarktbar wie ein Spiel vor 40.000 begeisterten Fans."
Max-Jacob Ost, Podcaster Rasenfunk

Die Einnahmen durch die Vergabe von TV-Lizenzen sind auch in Deutschland die größte Einnahmequelle. Um mehr Spiele im Fernsehen zeigen zu können, wurden beispielsweise Spielzeiten angepasst: So gibt es inzwischen auch Bundesliga-Spiele am Montagabend und am Wochenende unterschiedliche Anstoßzeiten. Das hatte bereits im letzten Jahr zu Protesten bei den Fans geführt. 

Mit den Montagsspielen, inszenierten Pokalfinalspielen und zum Teil grotesken Auswärtsreisen ziehen die Fußballclubs die "Daumenschrauben" bei den Fans deutlich enger, sagt der Podcaster Max-Jacob Ost. Denn nicht jeder berufstätige Fan kann es zeitlich einrichten, an einem Montagabend in eine andere Stadt zu fahren, um ein wichtiges Spiel zu sehen. 

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