Seit ein paar Monaten kommunizieren hochrangige chinesische Politiker und Diplomaten auch per Twitter. Manche Tweets sind dabei richtig persönlich.

Das chinesische Außenministerium und 30 Botschafter Chinas sind neuerdings auf Twitter aktiv. Das ist insofern verwunderlich, als dass China sämtliche Social-Media- und andere Online-Angebote seit vielen Jahren gesperrt hat, die nicht aus China selbst stammen und somit auch nicht von der chinesischen Regierung kontrolliert werden können, sagt der ARD-Korrespondent für China Steffen Wurzel. So auch Twitter.

"Das ist erstmal grundsätzlich zu vergleichen mit dem, was auch der deutsche Regierungssprecher so macht: Informieren über das, was so los ist im Land."
Steffen Wurzel, ARD-Korrespondent für China

Anscheinend hat die Regierung Twitter aber als gute Methode entdeckt, sich in anderen Ländern außerhalb Chinas zu präsentieren. Getwittert wird alles Mögliche: Informationen aus Politik und Wirtschaft, es gibt viele Re-Tweets der staatlichen chinesischen Medien – der China-Korrespondent Steffen Wurzel nennt das "Propagandamaterial" –, und auch Privates wird als verbreitungswert angesehen, etwa die Poser-Fotos einer chinesischen Botschafterin in Nepal.

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Tweets aus China nur als Propaganda abzutun, wird der Sache aber wohl auch nicht gerecht. Schließlich bietet China mit der Aktivität bei Twitter allen Interessierten auf der Welt die Möglichkeit, sich direkt zu informieren, ohne ausschließlich auf die Sichtweise anderer Länder angewiesen zu sein. Trotzdem geht Korrespondent Steffen Wurzel davon aus, dass auch viele Lügen verbreitet werden, zum Beispiel über die Behandlung der Uiguren im eigenen Land.

"Die meisten Chinesen sind sehr zufrieden mit ihrem Social-Media-Angebot."
Steffen Wurzel, Korrespondent für China

Das Twitter-Angebot des Außenministerium richtet sich nach Einschätzung von Steffen Wurzel komplett ans Ausland. Zum einen können die Chinesen selbst Twitter gar nicht nutzen, zum anderen würden sie "sehr schlagkräftig" von den Staatsmedien mit Informationen versorgt.

Auch seien die allermeisten Chinesen sehr zufrieden mit dem Social-Media-Angebot, das chinesische Unternehmen liefern. Steffen Wurzel: "Sie haben überhaupt nicht das Bedürfnis die Fühler auszustrecken nach dem, was außerhalb Chinas so los ist."

Alle großen Online-Dienste wie Facebook, Google, Twitter und Instagram sowie viele weitere Webseiten sind in China gesperrt.