Nun steht fest, dass Tesla-Gründer Elon Musk wahrscheinlich Twitter übernehmen wird. Umgerechnet 41,3 Milliarden Euro soll er dafür bezahlen. Twitter könnte eine andere Plattform werden.

Elon Musk hat über 83 Millionen Follower*innen auf Twitter. Nun soll der Tech-Milliardär und einer der aktivsten und prominentesten Twitter-Nutzer der Welt die Plattform übernehmen, wie der Onlinedienst mitteilte. Demnach habe man sich auf einen Deal verständigt. Musk soll umgerechnet 41,3 Milliarden Euro für die Aktien zahlen. Nun kann die Übernahme nur noch scheitern, wenn die Aktionäre das Angebot nicht annehmen.

Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll glaubt nicht, dass der Deal noch platzt. Musk bietet mehr als den Preis, zu dem die Aktien derzeit an der Börse gehandelt werden. "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass er hier zu seinem Ziel kommt."

Die Gründe für den Kauf

In einer Nachricht an den Verwaltungsrat von Twitter erklärte Elon Musk selbst seine Gründe für die Übernahme. Demnach habe er Anfang April einen Neun-Prozent-Minderheitenanteil an der Plattform gekauft, weil er an das Potenzial der Plattform für die freie Meinungsäußerung auf der ganzen Welt geglaubt habe.

Doch ihm sei klar geworden, so Musk weiter, dass das Unternehmen in seiner derzeitigen Form weder florieren noch diesem gesellschaftlichen Imperativ dienen werde. Twitter müsse zentraler gesteuert werden - zum Beispiel von einer einzigen Person.

Kritik an Elon Musk als künftigen Twitter-Besitzer

Twitter hat wirtschaftliche Probleme. Die Plattform entwickelt sich unternehmerisch schlechter als die Konkurrenz, zu der unter anderem Instagram, Tiktok oder Facebook gehören. Elon Musk könnte es schaffen, den wirtschaftlichen Erfolg wieder zu steigern.

"Unter Musk als Alleineigentümer wäre Twitter eher zu einer radikalen Neuausrichtung in der Lage als in einem börsennotierten Unternehmen, in dem viele Investoren mitsprechen."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll über die Twitter-Übernahme

Doch die Kritik an der Übernahme ist laut. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll sagt: "Elon Musk ist aus meiner Sicht denkbar schlecht geeignet", sagt er. "Denn nach allem, was wir wissen, ist und bleibt Musk ein Anhänger einer weitgehend schrankenlosen Redefreiheit."

Problem der Hassrede

Twitter könnte unter Musk die Beiträge kaum noch moderieren, sodass die Plattform erneut voll von Hassrede sein könnte. Bislang hatte die Plattform in derartigen Fällen eingegriffen – beispielsweise indem sie Ex-US-Präsident Donald Trump nach der Erstürmung des Kapitols von der Plattform verbannt und ihm bis heute den Zugang verwehrt hat.

"Musk könnte nun vielleicht aus dem Trump-Lager den lautesten Beifall bekommen. Denn dort gibt es Hoffnungen, dass mit Musk ein solcher Bann Geschichte wäre."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll über die Kritik an der Übernahme

"Ich hoffe, dass selbst meine schlimmsten Kritiker auf Twitter bleiben, denn das bedeutet Meinungsfreiheit", schrieb Elon Musk nach der Bekanntgabe der Übernahme in einem Tweet. Musk sagt, dass Twitter eine Plattform für Redefreiheit ist. Seine Kritiker fürchten, dass dort künftig mehr Platz für Hassrede und Gewalt sein wird.

Zumindest in Europa gibt es andererseits aber auch Gesetze, an die sich auch Twitter halten muss, egal, wie der Besitzer heißt.