Immer mehr Unternehmen nutzen Software, um das Verhalten und die Leistung ihrer der Mitarbeiter zu analysieren. Der Verein AlgorithmWatch hat dazu eine Studie gemacht. Und kritisiert: Es gibt zu wenig Mitsprache und Regeln.

Ein Chef will die Leistung seines Teams pushen. Das gehört zu seinen Aufgaben. Sein Problem: Vieles, was Einfluss auf den Erfolg hat, bekommt er im Zweifel gar nicht mit. Streit zwischen den Kollegen zum Beispiel. Oder Frust über den Geruch im Büro. Ein Mitarbeiter, der selbst faulenzt, während der andere überarbeitet sind.

Mit Software zum gläsernen Mitarbeiter

Die Digitalisierung bringt da neue Möglichkeiten. Von verschiedenen Anbietern gibt es Software, die Daten über die Mitarbeiter sammelt und daraus Schlüsse zieht – zum Beispiel über die Leistung einzelner Mitarbeiter oder die Stimmung im Team. People Analytics nennen sich solche Programme. Personalabteilungen können dieses Wissen dann nutzen, um etwa über Beförderungen zu entscheiden.

Der Verein AlgorithmWatch hat mit Unterstützung der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung den Einsatz solcher Programme untersucht.

"Da wird versucht herauszufinden, wie die Stimmung ist. Man kann dann sagen: Ist die Stimmung gedämpft, ist sie aggressiv oder ist sie eher euphorisch und produktiv?“
Matthias Spielkamp, Mitgründer von AlgorithmWatch

Ein Beispiel ist die Anwendung "Workplace Analytics" von Microsoft. Mit dem Programm lässt sich eine Art soziales Netz für eine Firma erstellen. Über dieses Netz können sich die Mitarbeiter austauschen. Mit einer sogenannten Sentiment Analyse kann die Software diese Nachrichten auswerten.

"Da wird versucht herauszufinden, wie die Stimmung ist. Das geht auf individueller Ebene. Aber Microsoft sagt, es geht in erster Linie um Teams. Da tauschen sich Leute aus und man kann dann sagen: Ist die Stimmung gedämpft, ist sie aggressiv oder ist sie eher euphorisch und produktiv?", erklärt Matthias Spielkamp, Mitgründer von AlgorithmWatch.

Ob und in welchem Maß dieser Teil der Software – also die Analyse der Daten – in Deutschland wirklich eingesetzt werde, sei allerdings nicht bekannt, so Spielkamp.

Stimmungsanalyse ist eine rechtliche Grauzone

Aber welche Daten dürfen Unternehmen überhaupt von ihren Mitarbeitern sammeln und auswerten?

Der Arbeitsrechtler Peter Wedde hat dazu für AlgorithmWatch ein Rechtsgutachten geschrieben. Er meint, Arbeitgeber dürften grundsätzliche alle möglichen Daten sammeln und nutzen. Allerdings unter der Bedingung, dass dies für die "Durchführung des Arbeitsverhältnisses" notwendig sei.

"Daraus folgt laut Rechtsprechung: Arbeitgeber dürfen Leistungsdaten verarbeiten", so Wedde. Etwa, wie viel eine Person gearbeitet hat, insbesondere, wenn sich die Bezahlung an der Leistung orientiert. "Das ist eine relativ klare Situation."

Schwieriger wird es bei dem Microsoft-Beispiel, also der Analyse der Stimmung in einem Team. Die Ermittlung solcher sogenannter weicher Faktoren sei, so Wedde, nicht unbedingt für die Durchführung des Arbeitsverhältnisses erforderlich.

"Der Betriebsrat sagt zum Unternehmen: Wir wüssten gern, was hier läuft. Dann sagt das Unternehmen: Das wissen wir selbst nicht."
Matthias Spielkamp, Mitgründer von AlgorithmWatch

Für dieses Problem haben die Arbeitgeber eine Lösung gefunden. Sie lassen sich von den Mitarbeitern einfach bestätigen, dass diese mit der Sammlung der Daten einverstanden sind. Entweder schriftlich von jedem Einzelnen. Oder per Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

Laut Arbeitsrechtler Wedde gebe es aber auch Fälle, in denen solche Software ohne jegliche Vereinbarung mit den Mitarbeitern eingesetzt werde. Das sei dann rechtswidrig.

Softwarefirmen lassen sich nicht in die Karten gucken

Matthias Spielkamp fordert außerdem, die Unternehmen müssten dem Betriebsrat erklären, was genau die Analysesoftware tut: Welche Daten sie erhebt und wie diese ausgewertet werden. Offenbar wissen das viele Personalchefs aber selbst nicht so genau.

"Wenn das so läuft wie bisher, dann sagt der Betriebsrat zum Unternehmen: Wir wüssten gern, was hier läuft. Und dann sagt das Unternehmen: Das wissen wir selbst nicht. Wir haben das von IBM, Microsoft oder SAP gekauft. Und die verraten uns das nicht", so Spielkamp.

Die Firmen argumentieren mit ihrem Geschäftsgeheimnis. Sie wollen die Algorithmen hinter der Software nicht offen legen. Man halte sich an sämtliche Datenschutzbestimmungen und würde Daten nur anonymisiert erheben, heißt es von den Unternehmen. Außerdem liege die Entscheidung, wie die Software eingesetzt werde, letztlich bei den jeweiligen Arbeitgebern.

Das Fazit von AlgorithmWatch: Grundsätzlich dürfen People Analytics eingesetzt werden. Aber nur unter bestimmten Bedingungen: Die Mitarbeiter müssen zustimmen. Und der Betriebsrat soll in Sachen Datenschutz mehr Mitsprache bekommen.