Beim EM-Finale in Paris fühlten sich im Stadion auch tausende Falter wohl. Allerdings nur, weil so lange das Flutlicht angeschaltet war - normalerweise werden Stadtfalter vom Licht gar nicht mehr so sehr angezogen.

Bei den flatternden Tieren, die beim EM-Endspiel das Stadion eroberten, handelte es sich vor allem Eulenfalter. Das sind im Prinzip nachtaktive Schmetterlinge. Schuld an ihrer Invasion war vermutlich das Flutlicht im Stadion, das bereits in der Nacht vor dem Spiel brannte und die Falter angezogen hat. Ein Übriges taten dann die lauen Pariser Sommernächte.

"Bei solchen Nächten mit geringer Luftfeuchtigkeit gibt es typischerweise einen starken Falterflug," erklärt der Dieter Ebert, Professor für Zoologie und evolutionäre Biologie an der Universität Basel. Angezogen durch die Lichtquelle konnten sich die Insekten relaxt im Stadion tummeln und sich hier auch tagsüber niederlassen. Zu ihrer gewohnten Zeit flogen sie dann los. Pünktlich zum Anstoß des Endspiels.

Der Stadtfalter lässt sich schwerer blenden

Normalerweise lassen sich Stadtfalter nicht mehr so leicht beeindrucken, weiß Dieter Ebert. Der Wissenschafter hat untersucht, wie sich künstliche Beleuchtung auf das Verhalten von Nachtfaltern auswirkt. "Schlaue" Falter, die weniger dazu neigen, ins Licht zu fliegen, haben letztlich über die Jahre, in denen Städte quasi durchgehend beleuchtet werden, einen evolutionären Vorteil entwickelt.

Künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen bedeuten für die Falter Gefahr. Die Insekten sterben häufig durch die Hitze der Lampen oder Räuber wie Fledermäuse. Diese haben solche Licht-Treffpunkte nämlich ebenfalls als Futterquellen entdeckt.

Warum die Falter überhaupt ins Licht fliegen? "Das weiß man nicht wirklich", sagt Dieter Ebert. Eine weit verbreitete Theorie ist jedoch, erklärt er, dass sie Licht zur Orientierung verwenden. Der Mond und die Sterne wirken quasi wie ein kleiner Lichtkompass auf dem Weg zu ihrem Ziel. Mischen sich hier größere künstliche Lichtquellen ein, kommen die Insekten durcheinander. Aber auch von Düften lassen sie sich ablenken.

"Falter werden durchaus von Düften angezogen, das ist dann aber eher im Paarungsverhalten der Fall."
Dieter Ebert

Ob der Falter, der direkt auf der Braue von Christiano Ronaldo landete, sich von irgendeinem Duft oder einfach der besonderen Aura des Fußball-Superstars angezogen wurde, bleibt Spekulation. Fest steht: Das Insekt hat das beste aus seinen fünf Sekunden im Scheinwerferlicht gemacht. Mittlerweile hat es nicht nur einen eigenen Twitter-Account, sondern ist auch Teil zahlreicher Memes. Und auch Ronaldo hat jetzt seinen lang ersehnten Titel. Also: Beim nächsten Falter erstmal abwarten, vielleicht bringt er ja Glück.