Der Vizepräsident der USA, Joe Biden, besucht Kiew. Aber was wollen die Amerikaner eigentlich in der Ukraine? Der Amerikanistik-Professor Crister Garrett von der Universität Leipzig erklärt: Den USA geht es um die Stabilität in Europa.

Die Haltung der US-Regierung sei klar: Der Ukraine-Konflikt steht zurzeit ganz oben auf der außenpolitischen Agenda der USA, erklärt der Amerikanistik-Professor Crister Garrett von der Universität Leipzig. Dass nur der Vizepräsident in die Ukraine reise, sei kein Zeichen, dass die USA das Problem im Osten Europas nicht ernst nähmen. Barack Obama sei auf einer Asienreise, die er nicht verschieben könne. Die wichtigsten Interessen der USA im Ukraine-Konflikt? Crister Garrett zieht hier Parallelen zum Jugoslawien-Krieg in den neunziger Jahren. Die USA sorgten sich um die Stabilität in Europa. Wer auf das vergangene Jahrhundert schaue, dem sei klar, dass die USA an der europäischen Sicherheitspolitik mitwirken.

"Dass per se eine Politik gegen Russland betrieben wird, ist zu einfach gedacht. Man gibt für so etwas keine Ressourcen aus."
Crister Garrett, Professor für amerikanische Kultur an der Universität Leizpig

Wirtschaftliche Interessen spielten im Ukraine-Konflikt dagegen in Deutschland eine größere Rolle als in den USA. Barack Obama gehe es vor allem darum, Russland deutlich zu machen, dass internationale Verträge Gültigkeit besäßen und nicht einfach missachtet werden könnten. Wer allerdings die Meinung vertrete, den USA sei nur daran gelegen, Politik gegen Russland zu betreiben, mache es sich zu einfach, sagt Crister Garret. Ein instabiles Europa schade den Interessen der USA.

Einschüchterungspolitik Russlands

Der Amerikanistik-Professor schließt aus, dass die USA militärisch in den Konflikt eingreifen. Ein großer Streitpunkt sei dagegen die Wirksamkeit von Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Die zentrale Frage: In wieweit sind die USA bereit, den Rechtsstaat in der Ukraine aufrecht zu erhalten und welche Ressourcen sind sie bereit, dafür einzusetzen. Die amerikanische Bevölkerung zeige Verständnis dafür, dass sich die USA in den Konflikt einmischen. Sie nähmen das Vorgehen Russlands als Einschüchterungspolitik war und sorgten sich um die Konsequenzen dieser Politik.