Nach einem Säureangriff stirbt Jekaterina Gandsjuk. Sie hatte sich gegen Korruption engagiert, die nicht nur in der großen Politik eine Rolle spielt, sondern sogar bei der Behandlung im Krankenhaus.

Am 31. Juli wird die ukrainische Anti-Korruptions-Aktivistin Jekaterina Gandsjuk mit einem Liter Schwefelsäure übergossen. Ihre Verletzungen sind so schwer, dass sie Anfang November stirbt.

Es ist einer der schwersten Fälle der Ukraine, in denen Anti-Korruptions-Aktivisten bedroht oder verletzt werden - mehrere Dutzend wurden innerhalb eines Jahres gezählt, vor allem im Süden und im Osten der Ukraine. Oft werden die Opfer schwer verletzt und eingeschüchtert. Manchmal endet der Angriff tödlich. So wie bei Jekaterina Gandsjuk.

"Korruption ist leider allgegenwärtig in der Ukraine."
Florian Kellermann, Osteuropa-Korrespondent

Ermittlungen gehen zurzeit davon aus, dass an der Korruption Beteiligte den Angriff auf Gandsjuk in Auftrag gegeben haben. 5000 Dollar sollen sie dafür bezahlt haben. "Es kommt fast nie vor, dass die Auftraggeber im Hintergrund gefunden werden", sagt unser Osteuropa-Korrespondent Florian Kellermann.

Hinter all dem stecken zwei Probleme: Zum einen werden Menschen angegriffen, die sich gegen Korruption engagieren. Zum anderen macht es die Korruption an sich erst nötig, dass sie sich engagieren.

Korruption gebe es auf allen Ebenen, sagt Florian Kellermann:

  • Bei einem normalen Autounfall mache die Polizei häufig ein Angebot, gegen eine Zahlung eines bestimmten Betrages den Unfall unter den Tisch fallen zu lassen.
  • Wer im Krankenhaus schneller behandelt werden will, kann mit ein paar Scheinen nachhelfen.
  • Weil die Bürokratie stark ausgeprägt ist, hat man viel mit Ämtern zu tun. Reibungsloser läuft das mit etwas Schmiergeld.
  • Polizisten arbeiten mit lokalen Geschäftsleuten zusammen.
  • Teilweise werden ganze Gerichtsurteile gekauft.
  • Korruption gibt es auch bei wichtigen Staatsausgaben, zum Beispiel für Rüstung.

Keine Proteststimmung in der Ukraine - eher Resignation

Nach Einschätzung unseres Korrespondenten Florian Kellermann sind die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation derzeit nicht sehr gut. "Nach den großen Demonstrationen 2014 waren die Hoffnungen groß", sagt er. "Doch dann ist nichts passiert, und zurzeit denken die Menschen, dass es niemals besser wird bei uns." Deshalb gebe es zurzeit auch keine Proteststimmung in der Ukraine.

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