Eigentlich wissen wir ja, was wir im Kleinen, bei uns zu Hause, machen können, um die Umwelt zu schonen: Licht aus, Heizung runter drehen, nur kurz Duschen. Trotzdem machen wir es im Alltag nicht (immer). Um da jetzt aber nicht gleich die Moralkeule zu schwingen, haben Forschende sich ein paar Gadgets überlegt, die uns helfen, und "liebevoll nerven".

Meist ist es die Bequemlichkeit, die uns verleitet, uns im Alltag nicht ressourcenschonend oder gar umweltschädlich zu verhalten. Natürlich wissen wir, dass elektrische Geräte im Standby-Modus besser ausgeschaltet werden sollten, oder dass wir besser das Fahrrad statt des Autos nehmen sollten.

Gadgets helfen beim Umweltschutz

Genau für solche Alltagssituationen haben Forschende der Uni Siegen Gadgets entwickelt, die uns daran erinnern sollen, die Umwelt zu schonen. Psychologe kennt Marc Hassenzahl nennt sie "liebevoll nervig".

Als Beispiel nennt er das Schlüsselbrett, an das wir Fahrrad- und Autoschlüssel hängen. Nehmen wir den Fahrradschlüssel, passiert gar nichts. Nehmen wir aber aus Bequemlichkeit den Autoschlüssel, fällt der Fahrradschlüssel herunter. Wir müssen uns also Bücken um ihn aufzuheben. Und allein das durchbricht die Alltagsroutine und kann als Anstoß genutzt werden, noch einmal darüber nachzudenken, ob für diese Strecke nicht doch das Fahrrad eine Option wäre, so die Idee.

"Wir nennen es freudvolle Unruhestifter, denn die Gadgets müssen ja auch ein bisschen Reibung erzeugen, sonst verändert man ja nichts an seinen Routinen."
Marc Hassenzahl, Uni Siegen

Gadgets gegen Bequemlichkeit und Alltags-Routinen

Die verschiedenen Gadgets sollen unsere Alltagsroutinen durchbrechen. Durch gezielte Störfaktoren erzeugen sie Reibung, die wir Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen können, um unser Verhalten zu überdenken und zu überprüfen.

Ein weiteres Beispiel ist der "Intervator". Dieses Gerät wird auf die Knopfleiste im Aufzug gesetzt. Drückt man dann beim Einsteigen den fünften Stock, drückt das Gerät den vierten Stock und fordert uns dazu auf, das letzte Stockwerk zu Fuß zu gehen. Marc Hassenzahl sagt, das ist soetwas wie gestalterische Forschung – irgendwas zwischen Psychologie und Design.

Gadgets für Umweltschutz sind noch nicht marktreif

Ob die entwickelten Gadgets irgendwann auf den Markt kommen und gekauft werden können, steht noch nicht fest. Das Team, das es entwickelt hat, will zunächst schauen, wie die Menschen darauf reagieren, ob diese Methode überhaupt ankommt. Denn Marc Hassenzahl gibt zu bedenken, dass Gadgets in der regel das Ziel haben, Prozesse zu minimieren und uns das Leben einfacher zu machen. Seine Gadgets verfolgen genau das gegenteilige Ziel. Deshalb sind sie vielleicht auch ein bisschen nervig, gibt er zu.