Geflüchtete in ihren Ankunftsländern besser schützen – das war ein Ziel des Flüchtlingspakts der Vereinten Nationen. Ein Jahr später zeigt sich: Es gibt immer noch offene Baustellen, aber viel mehr Staaten ist jetzt klar: Flüchtlingshilfe ist eine globale Aufgabe. Gerade Deutschland leistet hier gute Arbeit, sagt ein UN-Sprecher.

Vor einem Jahr haben die Vereinten Nationen einen Pakt zum Umgang mit Geflüchteten verabschiedet. Er sollte die Situation von Geflüchteten und ihren Ankunftsländern weltweit verbessern: Die geflüchteten Menschen sollten unter anderem selbstständiger werden, die Ankunftsländer sollten durch den Pakt weniger unter Druck gesetzt werden. Ziel war es, die Flüchtlingshilfe zu einer globalen Aufgabe zu machen.

Der Pakt ist damit ein humanitärer Aufruf, rechtlich bindend ist er für die UN-Mitgliedstaaten nämlich nicht. Auf Verbindlichkeit zu pochen, sei nur dann sinnvoll, wenn alle Länder mitziehen, sagt Chris Melzer, Pressesprecher des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Das hat sich auch nach einem Jahr nicht verändert.

"Auch, wenn der Flüchtlingspakt unverbindlich ist, hat er zu einem Perspektivwechsel auf das Problem geführt. Vor einem Jahr waren viele Staaten der Meinung: Die Geflüchteten sind erst dann unser Problem, wenn sie bei uns auf der Schwelle stehen – vorher nicht."
Chris Melzer, Pressesprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks

Was aber anders sei: Viele Länder haben umgedacht, statt die Verantwortung in der Flüchtlingshilfe abzugeben, erklärt Chris Melzer. Zudem wurde sichtbar, welche Ansätze in Ländern funktionieren, die Geflüchtete aufgenommen haben und wo es noch Baustellen gibt.

Deutschland konnte die Vorgaben des Flüchtlingspakts zum Beispiel sehr gut umsetzen, erklärt er. Besonders was die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft angehe, sei Deutschland ein sehr gutes Vorbild.

"Die Anstrengungen aus Deutschland sind hervorragend."
Chris Melzer, Pressesprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks

40 Prozent der Geflüchteten haben hier einen Arbeitsplatz gefunden. Egal ob ein Job am Computer oder ein Handwerksberuf: Ganz entscheidend dafür ist die Sprache. Das haben die vergangenen zwölf Monate noch mal klar gemacht, sagt der UN-Sprecher. Dadurch konnte das Flüchtlingshilfswerk herausfinden: In Deutschland muss das bestehende Sprachangebot erweitert werden. Gleichzeitig müssen die geflüchteten Menschen die Angebote auch annehmen beziehungsweise dazu gedrängt werden.

Offene Baustellen gebe es aber immer, sagt Chris Melzer. Das mindere nicht den Erfolg des Flüchtlingspakts in Deutschland. Gerade, wenn wir bedanken, dass innerhalb eines kurzen Zeitraums etwa 1,1 Millionen Menschen hierher geflüchtet sind.

In der Flüchtlingshilfe findet ein Umdenken statt

Gute Ansätze komme auch aus anderen Ländern: In Uganda haben zum Beispiel geflüchtete Menschen ihr eigenes Stück Land bekommen, um sich selbst zu versorgen. Das komme bei den Geflüchteten gut an, erklärt der UN-Sprecher. Und auch die Wirtschaft in Uganda profitiert davon. 1,2 Millionen geflüchtet Menschen hat das Land aufgenommen.

Im Vergleich mit anderen Staaten gebe es in Uganda gleichzeitig auch noch viele Probleme in der Flüchtlingshilfe. In Bangladesch und im Sudan sieht es ähnlich aus. Das liegt einerseits daran, dass es sich um relativ arme Länder handelt und 85 Prozent der Geflüchteten jetzt in ihrem direkten Nachbarland leben – oft seien das eben Staaten in Afrika oder Südostasien.

In Genf findet zum ersten Jahrestag des UN-Flüchtlingspakts das erste globale Flüchtlingsforum am 17. und 18. Dezember 2019 statt.